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»Das Interesse für die Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945 ist erst in jüngster Zeit erwacht — und zwar hauptsächlich bei der jüdischen Minorität selbst.« So meinte die Kölner Historikerin Monika Richarz anläßlich einer Tagung der Evangelischen Akademie Arnoldshain zum Thema »Juden in Deutschland seit 1945«. Die verschiedenen Vorträge der Tagung hat der Jüdische Verlag in einem Band zusammengefaßt.
Viel ist über jüdisches Leben von vor 1933 geforscht worden, auch über die Erlebnisse von Juden im Nationalsozialismus, während bei der Lektüre des Bandes rasch deutlich wird, daß die Geschichte der Juden in Nachkriegsdeutschland noch ganz im Dunkeln liegt. Dies liegt nicht zuletzt auch am Selbstverständnis jener Juden, die — der nationalsozialistischen Massenvernichtung entronnen —, sich nach 1945 auf deutschem Boden sammelten. Juden in aller Welt gingen davon aus, daß jüdisches Leben in dem »nach Leichen, nach Gaskammern« (Robert Weltsch) riechenden Land nicht mehr würde sein können. Über zweihunderttausend sogenannte »displaced persons« verließen den verfluchten Boden in den Jahren 1945 bis 1950. Nur eine kleine Restgemeinde von rund achtundzwanzigtausend Juden verblieb in der Bundesrepublik, lange die Erwartung hegend, ebenfalls bald auszuwandern. Diese Gruppe von Juden war sehr heterogen. Die wenigen deutschen Juden waren in der Regel völlig assimiliert, viele hatten nichtjüdische Ehepartner, während der größere Teil der aus Osteuropa stammenden Juden noch jiddisch sprach und die ersten Erfahrungen mit Deutschen bei der Selektion in den Lagern gemacht hatten. Hier liegt auch ein Grund, so Cilly Kugelmann in ihrem Beitrag, warum viele Juden bis auf den heutigen Tag von »Juden und Deutschen« sprechen und nicht von den »jüdischen Mitbürgern«. Nicht nur Juden haben sich nach 1945 gefragt, welches die Motive dieser osteuropäischen Juden waren, sich ausgerechnet im Land der Henker anzusiedeln. Cilly Kugelmann erklärt es so: »Die verwirklichte Auswanderung, wohin a