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Mit den Tagebüchern Sabina Spielreins und ihrem Briefwechsel mit Jung und Freud ist ein phänomenaler Fund aus einem Keller Genfs nach Rom auf den Schreibtisch des italienischen Psychoanalytikers Aldo Carotenuto ans Tageslicht gelangt. Wie, bleibt offen. Es ist jedoch verdienstvoll, daß wir mit Hilfe des Kore-Verlags das Ergebnis einer sorgfältigen Edition, in der ihre Aufzeichnungen geordnet und mit den Originaltexten der Briefe von Jung und Freud ergänzt wurden, in einer deutschen Ausgabe vorliegen haben.
Es ist phänomenal und unglaublich zugleich, daß es möglich war, ein dreiviertel Jahrhundert lang die Bedeutung von Sabina Spielrein totzuschweigen, während sie anonym, als »narrow escape« Jungs, längst in die psychoanalytische Geschichte eingegangen ist. Sie regte Freud zu seinen »Überlegungen zur Übertragungsliebe« an — er führte daraufhin die Lehranalyse als Pflicht ein —, und Jahre nach ihrer Arbeit »Destruktion als Ursache des Werdens« formulierte er sein Todestriebkonzept.
Sabina Spielrein, geboren 1885 in Rostow, ist die Tochter reicher jüdischer Eltern. Der Vater Kaufmann, die Mutter Zahnmedizinerin, die sich jedoch ausschließlich ihren vier Kindern widmete. Sabina wuchs in Rostow auf, ging dort bis zur Reifeprüfung in die Schule. 1904 wird sie wegen einer angeblich »psychotischen