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Mosse ist ein amerikanischer Historiker, der durch zahlreiche Publikationen zur geschichtlichen Analyse des Faschismus bekannt geworden ist. Sein Buch »Nationalismus und Sexualität« ist ein Beitrag zu einer Geschichte politischer Sozialisation. Der Autor vereinigt die neuere Tendenz, Geschichte unter dem Aspekt des Alltags, des Schicksals von Sinnlichkeit und Körperlichkeit zu betrachten, mit der älteren geschichtswissenschaftlichen Tradition, sich mit den Erscheinungsformen des Nationalismus zu beschäftigen. Untersucht werden soll der Zusammenhang zweier auf den ersten Blick so unverbundener Gebiete wie der Geschichte der Sexualität und des Nationalismus, »der mächtigsten Ideologie der Moderne« (S. 9). Die Studie konzentriert sich vor allem auf Deutschland, bezieht die westeuropäische Entwicklung aber mit ein. Als Material dienen nicht familien- oder erziehungsgeschichtliche Dokumente, sondern im engeren Sinn kulturelle Topoi der Dichtung, der bildenden Kunst, der Wissenschaften und der Politik, wie sie für den Zeitgeist der verschiedenen von ihm betrachteten Epochen der bürgerlichen Ära charakteristisch waren. Mosse geht von einer ungefähr gleichzeitigen Entstehung von Nationalismus und bürgerlicher (Sexual-) Moral im Europa des ausgehenden 18. Jahrhunderts aus. Das bürgerliche Moraldenken stand im Dienste der Abgrenzung gegen die Faulheit der niederen Klassen,