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Wenn von der Frankfurter Schule die Rede ist, verbindet man damit sogleich die Namen Horkheimer, Adorno, Marcuse, Löwenthal, Habermas. Man denkt an kritische Gesellschaftstheorie, an die unerbittliche Analyse geschichtlicher Antagonismen und gesellschaftlicher Destruktivität, an Positivismusstreit und Protestbewegungen, an Kulturkritik und Ästhetische Theorie, an Marxismus und Psychoanalyse, an »Strukturwandel der Öffentlichkeit« und »Dialektik der Aufklärung«, an die »total verwaltete Welt« (Adorno) einerseits und die Vision des »neuen Menschen« (Marcuse) andererseits. Es sind mithin nicht nur Gemeinsamkeiten, die unter dem Dach »Frankfurter Schule« Platz finden. Mindestens ebenso stark ist bei näherem Hinsehen der Eindruck der Heterogenität der Personen, Programme und theoretischen Ausrichtungen.
Zu den großen Vorzügen des voluminösen Buches von Wiggershaus gehört, daß es den theoretischen und persönlichen Eigenwilligkeiten der Wissenschaftler um Horkheimer und den Differenzen zwischen ihnen breiten Raum gibt. Die Lektüre belehrt darüber, daß die Divergenzen tatsächlich sehr viel größer waren als gemeinhin angenommen wird, wenn von »Kritischer Theorie« oder »Frankfurter Schule« die Rede ist. Zwar hat es einen einigermaßen stabilen äußeren Rahmen gegeben: das Institut für Sozialforschung; dem korrespondierten aber keineswegs personelle Kontinuität und theoretischer Konsens. Schon die folgenden simplen Tatsachen machen das deutlich. Als Max Horkheimer 1930 Direktor des Instituts wird, gehört Adorno nicht zum Kreis der Mitarbeiter, im Gegenteil: Horkheimer betrachtet die wissenschaftlichen Bemühungen seines späteren Freundes mit unverhohlener Abneigung. Als im amerikanischen Exil die enge Zusammenarbeit zwischen Horkheimer und Adorno beginnt und in die gemeinsam verfaßte »Dialektik der Aufklärung« mündet, gibt es das Institut dagegen nur noch als Rumpfinstitut. Ferner: Die große empirische Studie über »Autorität und Familie« geht wesentlich auf Erich Fromm zurück, de