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Alfred Lorenzer gehört zu der kleinen Schar derer, von denen es heißt, sie seien unterwegs in ein »Gelobtes Land«, in der einen Hand die »Traumdeutung«, in der anderen »Das Kapital«. Vom »Gelobten Land« läßt nur soviel sich sagen, daß wir es nicht schauen und nicht betreten werden. Und im Hinblick auf eine mögliche »Kultur, die keinen mehr erdrückt« (S. Freud), werden wir das Land, in dem wir leben, und unser Zeitalter der Massaker und Ängste nicht »loben«, auch wenn wir seit geraumer Zeit in einer der Oasen leben, die vom Schrecken verschont sind, während ringsum die Wüste wächst.
Die überschwenglichen Hoffnungen, die die Fortschrittsdenker und Stadientheoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts mit dem Fortgang der europäischen Geschichte verknüpften, sind längst zunichte geworden. Die Minderheit der Schwarzseher, die de Sade und Lautréamont, haben gegenüber den Condorcet und Spencer recht behalten. Die Energien, die einst für das Ausmalen einer besseren Zukunft aufgeboten wurden, werden seit langem in Gegenwartsanalysen und Unheilswarnungen investiert oder in die Suche nach einer Chance, den »Gang der Ereignisse« aufzuhalten.
Gab schon die Erfahrung mit den Peripetien der französischen Revolution, die vor fast zwei Jahrhunderten begann, die Erfahrung mit der »Terreur« und mit dem »Thermidor«, Vielen Anlaß zur Skepsis, so ist an der Erfahrung unseres Jahrhunderts das Vertrauen auf eine Vernunft in der Geschichte und auf die Güte der menschlichen Natur zerbrochen. Ich möchte dazu nur eine Illustration geben: Christian Thomasius, von Ernst Bloch als »deutscher Gelehrter ohne Misere« porträtiert, hat vor dreihundert Jahren für die Abschaffung der Folter plädiert und dabei an die Logik und an das Fühlen seiner Zeitgenossen appelliert: Es sei unsinnig, einem Beschuldigten schon im Untersuchungsverfahren Schädigungen zuzufügen, die die Strafen, die er — im Falle erwiesener Schuld — zu gewärtigen hätte, weit übertreffen. Im übrigen seien die Praktiken der »peinlichen Befragung