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Die Frage nach der Aufnahme psychoanalytischer Einsichten durch humanwissenschaftliche Disziplinen wie Ethnologie, Soziologie und Mythenforschung, auch Literatur- und Kunstgeschichte beantwortet sich angesichts der neueren Entwicklung dieser Wissenszweige von selbst. Freud, der die weitreichenden Möglichkeiten seiner Lehre früh erkannte, hat auf kulturwissenschaftlichem Gebiet beträchtlichen Einfluß geübt.1 Anders steht es um die Rezeption der Psychoanalyse in der Philosophie. Hier waren offenbar die beiderseitigen Schwierigkeiten am größten. Das bezeugt die sorgfältig dokumentierte Untersuchung von Carl Eduard Scheidt (1986). Die akademischen Philosophen, zu schweigen von völkisch-autoritären Gegnern Freuds (über deren rabiate Sprache der einschlägige Artikel in Hoffmeisters Wörterbuch der philosophischen Begriffe von 1944 informiert), übergingen die wissenschaftstheoretisch schwer einzuordnende Psychoanalyse oder erblickten in ihr eine »implizite Anthropologie naturalistischer Provenienz« (Scheidt, 1986, S. 33). Die meisten Beschäftigungen mit der als besonders befremdlich geltenden Trieblehre blieben unergiebig. Soweit die Autoren überhaupt bereit waren, sich sachlich auf Freuds Konzeption einzulassen, versicherten sie ihr gegenüber die Unableitbarkeit von Geistigem (Scheler) oder ersetzten die Libido durch den Trieb zur Selbsterhaltung (Bloch). Scheidt sieht das Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie abhängig davon, wie diese und ihre Stellung zu den Einzelwissenschaften jeweils verstanden wurden. So waren die Phänomenologie und der Neukantianismus in ihrer schulmäßigen Form denkbar ungeeignet, die Psychoanalyse zu rezipieren, bestand doch ihre Intention darin, von den Einzelwissenschaften nicht zu lernen, sondern sie zu »fundieren«. Dadurch ergab sich ein Abstand von Philosophie und Psychoanalyse, der