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Es ist ein geradliniges Buch entstanden. Die Autorin läßt ihre »These«, die sie zu Beginn darlegt (S. 11 f.), nicht aus den Augen: »Weder Aufklärung noch Assimilation [der Juden im k.u.k. Österreich] haben den Antisemitismus überwunden.« Und: »Statt den Antisemitismus mit Hilfe seiner Theorie zu analysieren, münden seine [Sigmund Freuds] Überlegungen vor allem angesichts des aufkommenden Nationalsozialismus in einen tiefen Kulturpessimismus, der weder Denken noch Handeln mehr zu fördern vermag und dem Freud selbst wiederum nur seine schwindenden Hoffnungen auf »Aufklärung« im Rahmen seiner Ich-Theorie entgegensetzt.«
In klaren und übersichtlichen Kapiteln werden Freuds Leben und Denken, der Gang seiner Entdeckungen und schließlich die von ihm aufgestellten Theorien dargestellt, immer im Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Aufklärung und den Kräften des Irrationalen, die sich nach dem Willen der Autorin beinahe ausschließlich im Antisemitismus manifestieren, dem Freud als Mensch, Forscher und Autor ausgesetzt war. Das Vorgehen ist legitim. So oft auch darüber geschrieben wurde, daß Freud Jude war, in der biographischen und geistesgeschichtlichen Literatur über den Genius und seine »unerhörte« Entdeckung des Unbewußten ist dieser Gesichtspunkt nie so konsequent verfolgt worden. Es