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Die Jahre 1921/22 dürfen als Beginn jener neuen Sichtweise betrachtet werden, die inzwischen als »Psychopathologie des Ausdrucks« wissenschaftlichen Anspruch erhebt. Obwohl die ursprünglichen Interpreten Morgenthaler und Prinzhorn ausdrücklich vermieden, von äußerlichen Ähnlichkeiten auf innere Gemeinsamkeiten zu schließen, ist in der volkstümlichen Betrachtung ein derartiger Kurzschluß gleichsam die Regel. Unter dem verhängnisvollen Einfluß des wirksamen Schlagwortes Lambrosos »Genie und Irrsinn« schwebt die Gefahr in der Luft, in künstlerischen Aktivitäten primär nach pathologischen Merkmalen zu suchen. Dieses nicht etwa nur aus klinisch-diagnostischen Gründen, sondern aus den verzweifelten Anstrengungen, über diesen Weg dem Rätsel der Kunst, insbesondere der auf dem Kunstmarkt erfolgreich gehandelten modernen, näher zu kommen. Der Leser könnte erwarten, in dem hier zur Rezension vorliegenden Buch eine weitere informative Hilfe zu erhalten.
Ich zweifle, ob sich der Wunsch des Autors erfüllt, einen Beitrag zur wertfreien Schulung des Sehens anzubieten. Der Titel des Buches weist auf das eigentliche Ziel. In der Beeck will ein neues, nämlich »das epileptische Kapitel der speziellen Ausdruckspathologie« schreiben. Zu diesem Zweck muß (vgl. Titelbild) der berühmte Künstler van Gogh als »Paradebeispiel« eines »malerisch und zeichnerischen Produzenten psychopathologischer Ausdrucksformen« herhalten, wird doch seine »epileptische Malweise als Grundform der epileptischen Bildnerei