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Ausbeutung, Unfreiheit, Aggression und Repression betrachtet Thea Bauriedl als »Krankheitssymptome der Gesellschaft«, zu deren Beseitigung sie an den guten Willen und das Verständnis des einzelnen appelliert. Dabei macht sie vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Erfahrung in Familientherapie auf den Widerspruch zwischen Herrschaft und Kontakt aufmerksam. »Soweit man sich über den anderen stellt, fühlt man ihn nicht.« Man soll »in seinen eigenen Grenzen bleiben und so die Grenzen des anderen an der Berührungsfläche fühlen« (S. 177). Nicht zugelassene Angst vor Veränderung blockiere dieselbe (vgl. S. 222). Wichtig ist meines Erachtens die Wiederholung der bekannten Tatsache, daß der einzelne von dem ihn umgebenden Kollektiv, der Gruppe in ihrer jeweiligen Gestalt, nicht nur geprägt, sondern weitgehend abhängig ist (vgl. S. 41) — ein Aspekt, der in der praktischen psychoanalytischen Arbeit oft zu kurz kommt. Es mag auch gefallen, wenn Bauriedl den Präsidenten Reagan gelegentlich zum Märchenerzähler macht, der Versprechungen auftischt, »damit die Kinder sich nicht ablösen können« (S. 189). »Die Zusammenhänge zwischen Kapital und Rüstung« (S. 120) werden erwähnt, nicht aber analysiert. Im ganzen herrschen bei Bauriedl hinsichtlich des Politischen und Persönlichen Appelle mit Harmonisierungstendenzen vor, die durch Verharmlosung auch im Sprachgebrauch ihren Ausdruck finden: »sanfte Politik«, »bessere Politik« (S. 51) soll die bisherige »unaufgeklärte Politik« (S. 123) ablösen, und zwar gleichermaßen in Ost und West.
Thea Bauriedl geht von in Theorie und Praxis beobachtbaren Berührungspunkten und Affinitäten zwischen Psychoanalyse und Politik aus — einer Thematik, die bei Freud selbst ihrer Ansicht nach noch nicht in der Form gegeben war wie etwa bei den »Freudo-Marxisten«. (Bauriedl bezieht sich hier auf Otto Groß und Wilhelm Reich.) Zwar lassen sich Berührungspunkte zwischen Psychoanalyse und Politik nicht übersehen, schließlich sind Individuum und Gesellschaft nicht von