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Halbjahres-Zählerstand: 1 339 Aids-Kranke in der Brd, um die 80 in Österreich. Die Zahl der gemeldeten Fälle steigt tatsächlich schnell. Die Warner wußten es ja, auch wenn sie mit ihren Hochrechnungen weit übers Ziel hinausschossen.1 Der »Durchseuchungsgrad« mit Hiv-Viren soll mit 5 bis 15% in den neunziger Jahren die »Sättigungsgrenze« erreichen.2 Medienspektakulär verkünden die Experten, daß »wahrscheinlich« alle »Seropositiven« auf Dauer zum Tode erkranken werden — Beweise gibt es noch nicht. Die marktgängigste Hochrechnung spricht von »17 950 bis 107 000« Aids-Toten in 16 Jahren.3 Berufene Fachleute, nämlich Medizinprofessoren, sorgen sich angesichts zu erwartenden Käuferschwundes bereits um den Immobilienmarkt der Zukunft.4
Zuerst wurden »Risikogruppen« definiert: Die traditionell marginalisierten Schwulen, Fixer und Prostituierten wurden neuerlich als Täter stigmatisiert, die Bluter hingegen als Opfer — gleichsam die Repräsentanten aller Normkonformen. Als es hieß, die Krankheit sei nun »aus dem Ghetto ausgebrochen« — welch ein Metapher! Die Ghetto-Juden waren die Brunnenvergifter der Pest- und Syphilis-Zeiten —, erweiterte sich die Täter-Definition letztlich auf alle Promiskuitiven als »Motor der Seuche«. Gut und Böse sind damit klar verteilt, die Schuldfrage ist geklärt. Es geht um Typisierung, also Entindividualisierung. Die kraft Gruppenzugehörigkeit definierte scheinbare Primäreigenschaft macht sie zu »Promiskui-Tätern«. Wir finden eine bemerkenswerte Verwandtschaft