You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ziel des Buches von Gascard ist es, in einer Überblick schaffenden Analyse die Hintergründe des Zulaufs zu den »Neuen Jugendreligionen« aufzuhellen (zu diesen werden hier gezählt: Scientology-Kirche, Transzendentale Meditation, Vereinigungskirche, Ananga Marga, Familie der Liebe, Divine Light Mission, Hare Krishna, Bhagwan-Neo-Sannyas-Bewegung, Sufi-Bewegung). Dabei läßt Gascard theologische und ökonomische Gesichtspunkte außer Betracht und konzentriert sich auf eine tiefen- und sozialpsychologische Analyse, um »die bisweilen als regelrechte Süchtigkeit erscheinende Abhängigkeit einzelner Mitglieder Neuer Jugendreligionen von ihrer Gruppe« durchsichtig zu machen (S. 11). Zunächst einmal wendet sich Gascard gegen die These, daß die Mitglieder von »Neuen Jugendreligionen« einer »Gehirnwäsche« unterzogen worden seien und deshalb mit einem »Deprogrammierungs«-Programm auch gegen ihren Willen, in der Regel unter Anwendung von Gewalt, aus den »Fängen der Sekten« zu befreien seien (S. 33). Tatsächlich lasse sich so etwas wie »Gehirnwäsche« (was immer das sei) in der Regel nicht nachweisen, vielmehr diene diese Behauptung der Gehirnwäsche der Rechtfertigung der eigenen — manchmal gewalttätigen — Reaktionen und der Entlastung von der befürchteten Stigmatisierung der Kinder sowie der vermuteten eigenen Schuld und schließlich der Verdrängung der Schuld der Eltern. Damit lenkt Gascard zu der Analyse der, was die »Jugendreligionen« betrifft, entscheidenden Frage nach unseren gesellschaftlichen und familiären Verhältnissen über. Nicht in »Gehirnwäsche« oder »himmlischer Verführung« durch die Gurus der »Jugendreligionen« sei das wirkliche Problem zu suchen, sondern vielmehr verweist die — publizistisch eher überschätzte — Faszination an vor allem östlichen Heils- und Erlösungslehren sozusagen als Spitze eines Eisberges auf die Identitätskrise unserer Gesellschaft und unserer Lebensverhältnisse, die durch eine Legitimationskrise, durch eine drohende und real mögliche Selbstzerstöru