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»Psychoanalytische Sozialforschung« — eine Contradictio in adjecto? Für manche ist dieser Topos Provokation, vergleichbar jener, die der Freudsche Begriff des »Unbewußten« in philosophischen Kreisen damals (und noch heute?) ausgelöst hat: aus ihrer erkenntnistheoretischen Sicht war und ist dieses »unbewußte Seelische« ein »hölzernes Eisen«, mithin ein »Unding«.
Der scheinbare Widersinn des Titels erweist sich als programmatischer Widerspruch, als Kritik. Und zwar als Kritik nach zwei Seiten: zum einen gegen eine bestimmte Strömung innerhalb der Psychoanalyse selbst, die durch die Schlagworte »Medizinalisierung«, »Klinisierung« und Verlust der »Kulturtheorie« gekennzeichnet ist, und zum anderen gegen eine Sozialwissenschaft, die hart am Wind eines Soziologismus segelt. Psychoanalyse soll als »Kritische Theorie« ausgewiesen werden — was sich auch an Lorenzers zahlreichen Publikationen aufzeigen läßt. Mit dem vorliegenden Buch, das Beiträge seiner Schüler und Freunde zu seinem 65. Geburtstag versammelt, wird Lorenzers »Theorie der Interaktionsformen« noch einmal aus der Sicht seiner Rezipienten vorgeführt. In der Hauptsache werden die für Lorenzers Theorieansatz spezifischen Interpretations- und Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt und dabei auch neue Wege begangen, z. B. der der Betrachtung von Musikrezeption und -interpretation im Kontext des »szenischen Verstehens«. Gerade diesem Begriff des »szenischen Verstehens« kommt in Lorenzers Werk eine Schlüsselfunktion für das Verständnis der psychoanalytischen Theorie zu, auch was die Freud-Exegese betrifft. Das »Szenische« ist dabei ein metatheoretischer Topos, der aus den 1970 entstandenen »Vorarbeiten zu einer Metatheorie der Psychoanalyse« (so der Untertitel) von »Sprachzerstörung und Rekonstruktion«) hervorgegangen ist und jetzt —