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Tritt eine junge akademische Fachrichtung in die Phase ihrer Konsolidierung ein, dann erwacht das Bedürfnis, nach einem Gründungsvater und einer bindenden Stiftungsurkunde. Dabei ist nicht selten das Phänomen zu beobachten, daß der einstige wissenschaftliche Außenseiter posthum mit dem Lorbeer des gefeierten Heros bekränzt wird. Mit der Aufnahme der Psychosomatischen Medizin in den Fächerkatalog der ärztlichen Approbationsordnung bedarf sie nicht nur der Lehrbücher, sondern auch ihres akademischen Klassikers, den sie nun in der Person Viktor von Weizsäckers gefunden hat, der schon Mitte der zwanziger Jahre Anstrengungen unternommen hatte, der Psychosomatischen Medizin an der Heidelberger Universität Eingang zu verschaffen. Anläßlich von Weizsäckers hundertsten Geburtstages publiziert der Suhrkamp Verlag eine zehnbändige Ausgabe seiner Gesammelten Schriften, die an Gewichtigkeit und Umfang keineswegs den ebenfalls klassisch zu nennenden Schriften seines Schülers Alexander Mitscherlich nachsteht.
Die im ersten Band der vorliegenden Ausgabe versammelten autobiographischen Schriften bieten eine instruktive Einführung in Leben und Werk Viktor von Weizsäckers (1886-1957). Von Weizsäcker entstammte einer protestantischen schwäbischen Familie, in der sukzessive die Kanzel durch das Katheder, das Predigen durch das Lehren und Regieren abgelöst bzw. überformt wurde. Sein Großvater trat als Bibelübersetzer hervor, war Kanzler der Tübinger Universität und ständiges Mitglied des Landtages. Sein Vater Karl von Weizsäcker war Jurist, der aufgrund seiner Verdienste als letzter königlich-württembergischer Ministerpräsident 1917 in den erblichen Freiherrnstand erhoben wurde. Diese lebendige religiöse und politisch engagierte Tradition setzte sich in Viktor von Weizsäckers Wirken für eine soziale (vgl. Bd. 8) und anthropologische Medizin (vgl. Bd. 5) fort. In ihm begegnet uns noch einmal der seit dem Ausgang des