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Selbst wer sich von dem etwas befremdlich wirkenden Foto einer alten Frau, die ein entstelltes Gesicht Sigmund Freuds lächelnd und andächtig küßt, nicht abschrecken läßt und das Buch in die Hand nimmt, wird sich zunächst von seiner Aufmachung beeindrucken lassen: es enthält Danksagung, eine Literaturauswahl, Quellennachweise und ein Namenregister, und der Hinweis auf die Verwendung bisher unveröffentlichter Fotos und Dokumente (womit wohl Briefe von Mitgliedern der Familie Freud, der Familie Burlingham und anderer mit ihnen eng befreundeter Persönlichkeiten gemeint sind) klingt verlockend. Jedoch schon nach kurzer Lektüre wird deutlich, daß das Buch mehr vortäuscht, als es verspricht. Die auf den ersten Blick eindrucksvolle Namenliste entpuppt sich als fehlerhaft und zum Teil irreführend. So hat es z. B. nie einen David Burlingham (der sich zum Schluß auch noch ohne Erklärung in Michael John Burlingham verwandelt, vgl. S. 162) gegeben, und andere Namen sind falsch buchstabiert. Der Quellennachweis ist gerade dort lückenhaft, wo man ihn am ehesten hätte brauchen können, so daß sich die Vermutung nicht ausschließen läßt, daß etliches andere unwahrscheinlich klingende möglicherweise nicht zutrifft oder erfundenen Unsinn darstellt wie z. B. die Behauptung, daß Anna Freuds Sekretärin nach dem Tod des Professors dessen Anzüge aufgetragen hat (vgl. S. 138).
Ein außergewöhnliches, an Verleumdung grenzendes Beispiel findet sich auf Seite 155, wo man mit Erstaunen erfährt, daß im weltberühmten Anna Freud Centre (der damaligen Hampstead Child Therapy Clinic) alle Mitarbeiterinnen zumindest zwei von drei Kriterien erfüllen: »hochintellektuell, jüdisch und lesbisch« zu sein. Daß der Autor auch mit anderen Aspekten seiner Materie nicht vertraut ist, spiegelt sich in seiner Bezugnahme auf (Kranken-)Schwestern im Anna Freud Centre (S. 156) wider, die es dort nicht gibt, und in der Behauptung, daß Anna Freuds Analysestunden »nicht selten vom regelmäßigen Takt des Webstuhls begleitet«