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Der Sammelband »Befreiung zum Widerstand«, den Margarete Mitscherlich von ihren Freunden zum 70. Geburtstag geschenkt bekam, ist das Gegenteil von einem Trendbuch. Einem Anhänger der Postmoderne dürfte schon der Titel Ekel erregen. Wenn er zu lesen begänne, würde ihm die ständige Präsenz von Psychoanalyse und Marxismus, der beiden Buhmänner seiner eigenen Zunft, alsbald Brechreiz bereiten. Gebeutelt von allzuviel Dialektik, Rationalität, Humanismus und all dem, was er selbst gern »Linkskonservatismus« nennt, müßte er sich schließlich übergeben. Margarete Mitscherlichs schreibende Freundinnen und Freunde sind nicht nur Marxisten, Freudianer und Feministinnen. Sie sind undogmatische Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie, kritische Freudinterpreten mit politischem Bewußtsein und Feministinnen aus dem rationalen anstatt dem weiblichkeitsmythischen Lager der Frauenbewegung. Hier herrscht der »Geist von 1968«, der, wie es der Mitherausgeber Hans-Martin Lohmann formuliert, »der angestrebten technischen Totalrenovierung des westdeutschen Kapitalismus als lästiges Hindernis […] im Wege steht« (S. 137). Die Vertreter dieses Geistes stehen heute mit dem Rücken zur Wand, zu einer Zeit, in der sich Politik und Kultur der BRD wieder dem Geist der fünfziger Jahre annähern, den Margarete und Alexander Mitscherlich in ihrer für das Protestjahr 1968 so prägenden Studie über die »Unfähigkeit zu Trauern« beschrieben haben. Der »herrschende psychische Immobilismus angesichts brennender Probleme unserer Gesellschaft« (dies., 1967, S. 38), jenes dumpfe Ohnemichel-Bewußtsein der Adenauerära, treibt neue Blüten. Der »emotionelle Antikommunismus« als »offizielle staatsbürgerliche Haltung« (1987, S. 42) sitzt wieder fest im Sattel, bis hin zu den Grünen und ihren Parteigängern. »Abermals« vollzieht sich »eine Restauration — die wievielte? — der deutschen Irrationalitätsbedürfnisse« (1987 S. 75), ob als bauchphilosophischer Psychoboom, als antimarxistischer und antihumanistischer N