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Befragte man Psychoanalytiker nach der Bedeutung eines beliebigen ihrer theoretischen »Essentials«, etwa nach Begriffen wie dem Unbewußten, der Abwehr, freien Assoziation, dem Über-Ich, der Übertragung etc., so muß man darauf gefaßt sein, so viele verschiedene Antworten zu erhalten, wie Analytiker befragt wurden. Auch die Tatsache selbst, daß es in der Psychoanalyse kaum ein theoretisches Konzept gibt, das nicht umstritten ist, wird unterschiedlich beurteilt, von den einen nämlich als Hinweis auf die theoretische Vitalität und geistige Offenheit der Psychoanalyse, von anderen dagegen als Anzeichen bedenklicher Verwirrung oder als Ankündigung eines bevorstehenden Paradigmenwechsels. Nicht zu übersehen ist, daß die Widersprüchlichkeit und Vielfalt der theoretischen Konzepte Beunruhigung unter denjenigen hervorruft, die sich an einem festen Theoriegebäude orientieren möchten. In einer solchen Situation theoretischer Unsicherheit liegt es nahe, die Zuflucht bei neuen theoretischen und begrifflichen Konstrukten zu suchen. Für diesen Zweck sind besonders die Begriffe geeignet, die sich durch eine spezifische Mischung von Undeutlichkeit und Suggestivkraft auszeichnen und gerade dadurch ein hohes Maß an Attraktivität erreichen, daß sie vieles, das bisher theoretisch unerledigt geblieben ist, gewissermaßen wie ein Container in sich aufnehmen. Die Anziehungskraft solcher »neuen« Begriffe leitet sich also aus der trügerischen und zwiespältigen Hoffnung her, das theoretisch Widersprüchliche entweder durch »Lösungen« beseitigen oder im neuen Begriff ablagern zu können, also aus der Spekulation auf eine Denkersparnis.
Ein solcher Begriff ist der der »psychoanalytischen Haltung«, bietet er sich doch an, rasch und intuitiv mit Vorstellungen und Bildern gefüllt zu werden. Der Untertitel des hier rezensierten Bandes wirft dann auch die Frage auf, ob die »Suche nach dem Selbstbild der Psychoanalyse« etwa die theoretischen und begrifflichen Bemühungen ersetzen soll.
Die Spannweite der ve