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Es gehört zum chirurgischen Alltagswissen, daß Mädchen und junge Frauen besonders oft unnötig appendektomiert werden. Die Appendektomie (operative Entfernung des Wurmfortsatzes, im Volksmund Blinddarm genannt) wird in diesen Fällen immer unter dem drängenden Verlangen der Patientin und/oder ihrer Angehörigen (besonders der Mutter) vorgenommen. Nachträglich wird dann, obwohl die Appendix tatsächlich ohne Befund ist, die Schein-Diagnose der »chronischen« oder »chronisch rezidivierenden Appendizitis« gestellt, um das Vorgehen zu bemänteln. Intern, unter Chirurgen, wird die Operation damit rationalisiert, daß die Patientinnen nach der Operation doch auch subjektiv meist beschwerdefrei seien und blieben. Soweit die bekannte Ausgangslage dieser ungemein spannenden und erkenntnisreichen Monographie, in der auf beispielhafte Weise chirurgische und soziologische, medizinhistorische und psychosomatische Zugangsweisen auf einen Brennpunkt, eben den der Appendizitis und Appendektomie, konzentriert werden.
Hontschiks Untersuchung ist in vier Teile gegliedert, aus denen jeweils ausschnitthaft einige Ergebnisse referiert seien. Im ersten Teil werden Anatomie und Physiologie des Appendix vermiformis, Klinik und Diagnostik der akuten Appendizitis sowie Techniken und Risiken der Appendektomie behandelt. Bereits hier macht der Autor klar, daß es sich bei der akuten Appendizitis — bei der die Operation immer imperativ indiziert ist — um ein medizinisch »letztlich noch immer unverstandenes Geschehen handelt« (S. 28), daß sich die Appendix »mit ihrer Entzündung auch den modernsten diagnostischen Verfahren entzieht« (S. 29) und daß das Operationsrisiko der Appendektomie, inklusive der Letalität, viel größer ist, als von Chirurgen allgemein angenommen. So etwas wie eine »chronische« oder »chronisch rezidivierende Appendizitis«, die vom Hausarzt so häufig formulierte Einweisungsdiagnose, mit deren Besitz dann der Chirurg im