You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»[Wir wissen heute,] […] daß bloßes Interpretieren nicht genügt […]. Es liegt nahe, auf Grund psychoanalytischer Erkenntnisse im Interpretieren nicht einen Gegensatz zur verändernden Tat zu sehen, sondern ihre Voraussetzung. Erst was durch Interpretation verstanden und erkannt wurde, kann sinnvoll verändert werden, ohne durch blindwütige Aktionen mehr zu zerstören als aufzubauen« (Ernst Federn, 1986, S. 85).
Paul Parin schätzt das bereits 1977 auf italienisch erschienene Buch im Vorwort als einen der seltenen Versuche eines Analytikers, die Struktur der psychoanalytischen Wissenschaft aus einer Fülle theoretischer und praktischer Erfahrungen herauszudestillieren und quasi »von außen« zu beschreiben.
Als theoretisch-praktisches Zentrum der Psychoanalyse, als ihr strukturelles Hauptelement, bestimmt Codignola den Prozeß der Deutung, dessen Ziel er in Anlehnung an Freuds Arbeit von 1937 »Konstruktionen in der Analyse« erläutert: In gemeinsamer Tätigkeit mühen sich die beiden Partner der analytischen Beziehung, deutungsvermittelt die Konstruktion der realen Umwelt zu leisten. Codignola versteht den Deutungsprozeß als untrennbares Ensemble der Deutung selbst und der konkret-historischen Rahmenbedingungen der Situation, innerhalb derer sie jeweils gegeben wird. Der Deutung als Freilegung latenter Bedeutung im Manifesten und als Mitteilung, die zur latenten Bedeutung Zugang verschafft (Laplanche/Pontalis), muß, so fordert Codignola, jedes andere Moment des psychoanalytischen Prozesses untergeordnet werden. Dabei bleibt die Deutung jedoch substantiell gebunden an den konkreten Bezugsrahmen des Settings und wird nur in ihm ihre logische Struktur entfalten können. Neben der Gesamtheit der realen Bedingungen des analytischen Prozesses wie Ort, Zeit, Raum der Analyse, Person des Analytikers, den umschriebenen Rollen, die Analytiker und Analysand einnehmen, verweist Codignola auch auf »Parameter«, wie sie beschrieben hat, als Elemente des Settings, das der Deutung dient und funkt