You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Zeit ist gekommen, so pflichtet Morris Eagle in der Einleitung zu seinem Buch J. E. Gedo bei, »dem vierzigjährigen Bemühen, mit Freuds theoretischem Erbe durch stückweise Flickarbeit zurechtzukommen, ein Ende zu setzen«. Er will »einen systematischen Überblick über neuere Vorstellungen geben und damit über den gegenwärtigen Stand der psychoanalytischen Theorie Rechenschaft ablegen« (S. 5).
Eine den Inhalt referierende Rezension, die bloß ein Überblick über den Überblick wäre, würde das Buch kaum angemessen vorstellen. Es fordert unweigerlich den eigenen psychoanalytischen Standpunkt des Lesers und den — notwendigerweise inneren — Dialog mit dem Autor heraus. Es sei mir deshalb gestattet, dem Weg des Autors mit einigen kritischen Kommentaren zu folgen.
Eagle beschränkt seinen »systematischen Überblick« auf neuere Vorstellungen, die in den USA entstanden oder daselbst in breitem Ausmaß rezipiert worden sind. Das sind in erster Linie die Objektbeziehungstheorien und die Selbstpsychologie. Es fehlen Melanie Klein, Jacques Lacan und die »französische Psychoanalyse«. Es fehlen aber auch Roy Schafer und Otto F. Kernberg. Letzteres findet Eagle selber schwer erklärlich. Er vermochte, so seine Begründung, bei Kernberg »kein kohärentes System theoretischer Formulierungen zu erkennen«, welches er »gut genug verstehen konnte, um es darzustellen und kritisch zu würdigen« (S. 5). Wohl eher ist Kernberg dem systematischen Interesse zum Opfer gefallen, das Eagle bei der Auswahl leitete: Er befaßt sich ausschließlich und explizit mit den neueren Entwicklungen, die »eine Herausforderung der Triebtheorie« und des »Es-Ich-Modells« als dem »zentralen Paradigma der Psychoanalyse« darstellen (S. 151 und S. 4), d. h. im Klartext, die Triebtheorie »in jeder Form und Verdünnung« ablehnen. Unter diesem Gesichtspunkt wäre Kernberg, der Objektbeziehungslehre, Narzißmustheorie und Triebkonzept als unterschiedliche Gesichtspunkte derselben Sache interpretiert, nicht leicht beizukommen.
Eagle sie