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Lieber Herr Kutter,
ich bin froh, daß Sie nun endlich, vier Jahre nachdem Herr Lorenzer, Herr Richter und ich uns kritisch von Ihrem Gutachten über »Die entwicklungspsychologische Situation der zum Grundwehrdienst heranstehenden Wehrpflichtigen« distanziert haben, öffentlich zu dieser Kritik Stellung nehmen. Damit erfahren die DPV-Kolleginnen und Kollegen erstmals offiziell von der Existenz des Gutachtens, das Sie 1979 im Auftrage des Bundesverteidigungsministeriums erstattet hatten.
Warum Ihr langes Schweigen? Warum sind Sie nicht gleich 1985, als Sie durch unsere Kritik — Sie sprechen von der Kritik dreier »prominenter Psychoanalytiker« — darauf aufmerksam wurden, daß Ihr Gutachten heftige Reaktionen auslösen, daß es kontroverse Diskussionen in der DPV bewirken könnte, mit Ihrem Konzept an die psychoanalytische Öffentlichkeit getreten?
Mich befremdet, daß Sie mir Ihre »Information über ein umstrittenes Gutachten« (DPV-Informationen Nr. 4, Oktober 1988) nicht vor der Publikation zugeschickt haben — bin ich doch der erste gewesen, der es »bestritten« und andere DPV-Kollegen darauf aufmerksam gemacht hat. Und ich bin es doch, mit dem Sie sich in diesem Text namentlich auseinandersetzen. Sie gewinnen damit — zusätzlich zu dem Vorteil, daß die meisten Leser Ihr Gutachten nicht kennen (es erschien in »Wehrpsychologische Untersuchungen«, hg. vom Bundesministerium der Verteidigung, Heft 1, Juni 1982) — den Vorteil, daß der Leser meine Entgegnung nicht gleichzeitig mit Ihrem Text zur Kenntnis nehmen kann.
Sie sind ein geschickter Taktiker.
Befremdet hat mich auch, daß Sie, ohne mich zu fragen, meine an Sie gerichteten Briefe dem Kollegen Korte zur Verfügung gestellt haben. Haben Sie Herrn Korte auch die Briefe von Herrn Lorenzer und Herrn Richter zur Verfügung gestellt, ist Herr Korte also vollständig informiert worden?
Ich war 1985, als ich an Sie schrieb, sehr empört und kritisierte Sie, weil mir Ihr Vorgehen als un-, ja, antianalytisch erschien. Heute sehe ich das anders. Ich