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Die empirische Säuglingsforschung hat in den vergangenen 20 Jahren viele neue Erkenntnisse über das Seelenleben des Säuglings erbracht. Stern spricht von einer »Revolution in der Säuglingsforschung«. Möglich wurde diese durch die Entdeckung verschiedener abgestufter Bewußtseinszustände des Säuglings durch P. H. Wolff. Vor allem die Annahme eines Zustandes der »alert inactivity«, einer wachen Aufmerksamkeit ohne sichtbare Aktivität erwies sich für die Forschung als wichtig. Ihn können die Säuglinge schon von Geburt an für eine bestimmte Zeit am Tage (ca. 10%) einnehmen. Er stellt so etwas wie ein »Zeitfenster« dar, über ihn können dem Säugling Aufgaben gestellt werden, und aus seinen weitergehenden Aktivitäten kann auf »Antworten« seitens des Säuglings geschlossen werden. Kopfdrehen, Saugen und Sehen werden als »Antworten« auf eben solche experimentell gestellte »Fragen« verstanden. So wurde z. B. entdeckt, daß Säuglinge schon von Anfang an den Geruch der Milch von der eigenen Mutter von einer fremden Milch unterscheiden konnten, oder daß sie Gesichter anderen visuellen Mustern vorziehen. Diese interessanten Experimente führten zu einer Reihe neuer Einsichten über das psychische Funktionieren des Säuglings, die eine Herausforderung an die psychoanalytische Entwicklungstheorie darstellen, eine Herausforderung, die in den letzten Jahren von verschiedenen Forschern und Psychoanalytikern aufgenommen wurde (Emde, Milton Klein, Lichtenberg, Peterfreund, Stern).
Diese Autoren stimmen darin überein, daß Margret Mahlers Konzeption von Loslösung und Individuation, die auf einer anfänglichen autistischen und symbiotischen Phase beruht, korrekturbedürftig ist. Vor allem die Konzeption der ersten beiden Phasen, die autistische und die symbiotische, ist durch die neueren Ergebnisse der Entwicklungsforschung schwer erschüttert worden (vgl. die ausführliche Kritik bei Milton Klein, 1981). Es waren vor allem drei Vorannahmen, die lange die psychoanalytische Theorie über die Säuglingsz