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Mit diesem Lehrbuch hat Hanscarl Leuner seine nunmehr 30jährigen psychotherapeutischen und wissenschaftlichen Erfahrungen mit dem katathymen Bilderleben (KB) systematisiert und anhand vieler Fallbeispiele veranschaulicht.
Für das katathyme Bilderleben finden sich in anderen Sprachen auch Begriffe wie »Symboldrama« oder »guided affective imagery«. Es handelt sich um ein eigenständiges Verfahren der Psychotherapie, das einerseits dem Grundgedanken der projektiven Tests nahesteht, andererseits die assoziative Entfaltung von imaginierten Szenen und Konnotationen zu ihnen fördert. Im Konzept für Anfänger (Grundstufe) wird dem Patienten während der Behandlungsstunde jeweils ein »Standardmotiv« vorgegeben, das er sich im Zustand leicht induzierter Entspannung und mit geschlossenen Augen, also in einer regressiven Haltung, vorstellen soll. Auf der Grundstufe ist dies eine Wiese, ein Bachlauf, ein Berg, ein Haus oder ein Waldrand; in der Mittel- und Oberstufe kommen weitere Motive und differenzierte Techniken zum assoziativen Vorgehen und zum Durcharbeiten hinzu. Die Vorstellungsmotive werden vom Therapeuten nur vage angeregt, so daß der Patient sie selbst in seiner Imagination weiter ausgestalten kann. Dabei sind alle anlehnenden Inhalte und auch abschweifende Szenen zugelassen. Sie werden als Eigenproduktion des Patienten ausdrücklich geschätzt. Von den projektiven Tests unterscheidet sich das Verfahren also zunächst dadurch, daß es dynamisch ist. Die Standardmotive stellen gewissermaßen kaum vorstrukturierte, »trägheitslose« Projektionsbühnen dar, auf denen der Patient im durch den Therapeuten stimulierten Tagtraum während der Behandlungsstunde bildhaftes Erleben selbst inszeniert. Ferner liegt ein wichtiger Unterschied in der Funktion für den therapeutischen Prozeß. Die von den Standardmotiven ausgelösten Imaginationen des Patienten sind nicht nur in diagnostischer Hinsicht wertvoll, sondern sie stellen dem tiefenpsychologisch orientierten Konzept nach ein wesentliches Ag