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Vermutlich als Ausdruck der Bezeugung von Ehre und Respekt dem deutschen Kaiser gegenüber gaben die Niederlands 1904 ihrem in Schippenbeil im früheren Ostpreußen geborenen Sohn den Namen Wilhelm. Heute ist der Ort polnisch und heißt Sepopol. Der Vater war orthodoxer Rabbiner, die Familienmitglieder verstanden sich als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. Einige Jahre verbrachte »Willi«, so wurde der Junge gerufen, in Pfungstadt bei Darmstadt in Hessen. Diese Zeit läßt sich noch bis heute als leichte Dialektfärbung beim Gebrauch des Deutschen heraushören, ebenso eine mainfränkische Nuance aus den nachfolgenden Jahren der Kindheit und Jugend in Würzburg. Dort war der Vater viele Jahre Rabbiner. Am Realgymnasium legte er die Matura ab. Er wurde von Haus aus zur Beschäftigung mit Thora und Talmud angeregt, zusätzlich zu den auf der Schule vermittelten Kenntnissen über die weltlichen Wissenschaften, unter denen das klassische Altertum besonderes Gewicht hatte. Diesen kulturellen Wurzeln blieb er tief verbunden, und sie haben manche späteren, schmerzhaften Verluste über-dauert.
Nach dem Medizinstudium erwarb er 1929 sein erstes medizinisches Doktorat an der Universität Würzburg, das mit einer ersten, herausragenden wissenschaftlichen Leistung verknüpft war. Sie bestand in einer mikrochemischen Nachweisreaktion von Samenflüssigkeit, die in der forensischen Medizin von Bedeutung war und den Namen »Niederland-Reaktion« bekam. Für eine weitere Entdeckung, die der traumatischen Genese der Dupuytrenschen Kontraktur, erhielt er 1933 den Preis der Deutschen Ärztegesellschaft. Er hatte eine vielversprechende medizinische Karriere vor sich, da sich schon zu dieser Zeit seine Fähigkeit zeigte, praktisch-klinische Aspekte und genaue Beobachtung und Anteilnahme mit eigenständigen schöpferischen Leistungen zu verbinden. Dazu kam die Begabung, mit relativer Leichtigkeit diese Erfahrungen und Gedanken in Worte zu fassen, d. h. am Krankenbett ebenso wie am Schreibtisch schöpferisch zu