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Eine Rezension über den Nachtragsband zu den Gesammelten Werken Freuds zu schreiben, erscheint ebenso unentbehrlich wie notwendig. Auf der einen Seite sollte man davon ausgehen können, daß allein die Ankündigung, allein ein erster Überblick über den Inhalt jeden, der etwas mit Psychoanalyse zu tun hat und über Psychoanalyse zu reden geneigt ist (und das sind nicht wenige), nötigt, zu diesem Band zu greifen. Auf der anderen Seite aber gibt es in dieser großen Schar zunehmend mehr, die sich die Freudlektüre ersparen, weil sie wissenschaftliche Arbeiten wie Milchtüten mit dem Blick auf das Abfülldatum taxieren. Weshalb Freud lesen angesichts neuerer psychoanalytischer Auslassungen?
Nun ist diese Einstellung ein Abkömmling der immer noch gängigen Zurechnung der Psychoanalyse zu den naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen (Psychotechnik sozusagen). Würde das zutreffen, so hätte der Blick aufs Verfallsdatum der Erkenntnisse durchaus seine Berechtigung, aber die Psychoanalyse gehört eben einer ganz anderen Wissenschaftskategorie an. Freuds Werke verlieren ebensowenig ihre Bedeutung wie die philosophischer Klassiker, und das Erschließen neu aufgefundener, bisher wenig zugänglicher oder verstreuter Texte sollte bei ihm mit dem gleichen lebhaften Interesse rechnen dürfen, wie das dem Auffinden klassischer Texte in den Geisteswissenschaften gewiß ist. Dabei gibt es noch einen weiteren Grund für die Aktualität dieser Schriftensammlung: Psychoanalyse ist Analyse subjektiver Struktur und bezieht die Subjektivität des Analytikers in den Erkenntnisgang ein. Texte, die das Verfertigen der Gedanken des Analytikers zeigen, haben da einen Aufschlußwert von beachtlicher Tragweite. Oder konkreter formuliert: Nicht nur die psychoanalytische Therapie, sondern auch und gerade die psychoanalytische Theorie stehen unter der Devise, »Unbewußtes bewußt zu machen«; die Schritte dieses Aufklärungsprozesses so tief wie möglich ergründen zu können, muß deshalb als hoher Gewinn angesehen werden