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»Andererseits gehört der Intellekt — oder nennen wir ihn bei seinem vertrauten Namen: die Vernunft — zu den Mächten, von denen man am ehesten einen einigenden Einfluß auf die Menschen erwarten darf […]«.
Gedenkjahre sind unvermeidlich. 1989, beispielsweise, jährte sich zum 50. Mal Freuds Todestag. Dies bietet die Möglichkeit, auch einmal über das Gedenken selbst nachzudenken: Wie ehren wir »große« Männer? Offenbar gibt es sehr verschiedene Formen, sich bei derartigen Anlässen aus der Affäre zu ziehen. Eine Möglichkeit besteht etwa darin, sich selbst und denjenigen, an den man denkt, mit Weihrauch zu betäuben, also den Geehrten in seiner Großartigkeit auf einen Sockel und sich selbst davor zur Ruhe zu setzen. Eine andere, gewiß fruchtbarere Möglichkeit, sich an einen »großen« Mann zu erinnern, bestünde darin, in seinem Geiste kritisch weiterzudenken. So wäre der Gefahr vielleicht am ehesten vorzubeugen, die darin besteht, den Geehrten in eine bestaunenswerte, aber mit dem wirklichen, dem heutigen Leben nicht mehr verbundene Museumsmumie zu verwandeln.
Wie immer wir es anstellen — die Ehre, die wir einem »großen« Mann erweisen, billigen wir uns, wenigstens ein Stück weit, immer auch selbst zu, indem wir uns zu ihm bekennen. Wir partizipieren mit narzißtischem Gewinn am Ruhm eines anderen, wenn wir uns in dessen Nachfolge erleben.
Und natürlich (be-)werten wir, wenn wir ehren. Der Kulturheros ist eine Figur, die uns selbst erhöht, soweit wir sie als unsere Leitfigur anerkennen. Daher die Gekränktheit, die wir verspüren, wenn irgendwer an unserem Idol Schatten zu entdecken glaubt. Der Glückwunsch, den wir im Jubiläumsjahr dem Idol gegenüber verehrungsvoll aussprechen, ist immer auch ein Versuch, unser eigenes Glück zu beteuern — unser »Glück«, in der Tradition des Idols weiterzuleben.