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Eine Geschichte wie eine monumentale Fiktion mit Personen, Dramen und Machtkämpfen möchte Elisabeth Roudinesco, Psychoanalytikerin und Mitglied der ehemaligen Ecole Freudienne de Paris, erzählen. Eine »Psychohistorie der
Psychoanalyse«1 in Frankreich seit ca. 1935 vorzulegen, d. h. etwa seit dem Erscheinen der ersten Arbeiten Jacques Lacans, ist das Ziel des zweiten Bandes ihres in der Tat monumentalen und spannenden Werkes »La Bataille de cent ans«. Die Arbeiten der unter dem Namen »Annales« bekannten Historikerschule sind ihr bewundertes methodisches Vorbild (, S. 162).
Der erste, schon 1982 erschienene Band umfaßt die Jahre 1885-1939. Er beginnt mit dem Zusammentreffen Freuds und Charcots in der Salpětrière und schließt mit der Gründungsphase der »Société psychanalytique de Paris«. Der zweite Band beginnt etwa mit dem Jahre 1925, greift also die Phase vor 1939 nochmals auf, jedoch unter einem völlig neuen Blickwinkel; er setzt sich mit den Annäherungen der literarischen Bewegung des Surrealismus an die Psychoanalyse auseinander, die es derart in Deutschland nicht gegeben hat.
Für Frankreich ist die Psychoanalyse nicht ohne das Schaffen Jacques Lacans zu denken. Seine Person und sein Werk haben die psychoanalytische und kulturelle Szene der letzten fünfzig Jahre geprägt. Neben den Ausführungen zur historischen Bedeutung seines Werkes und zu dessen Einfluß auf die unterschiedlichen Bereiche des intellektuellen Lebens in Frankreich beschäftigt sich der Band auch mit Lacans Biographie.
Wie Sacha Nacht, Daniel Lagache, Pierre Mǎle, Marc Schlumberger und andere gehörte Lacan der zweiten Generation der Psychoanalytiker der »Société psychanalytique de Paris« an.
Während die erste Generation primär die Freudsche Lehre in das psychiatrische Denken zu integrieren versuchte, ging Lacan einen Schritt weiter, indem er mit dem Hinweis auf die vorrangige Bedeutung der Sprache, die bereits existiert, bevor das Subjekt in sie eingeht, Freuds Lehre modifizierte. Dem Freudschen Ich (