You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Mai 1987 fand in Paris der erste Kongreß der »Association Internationale d'Histoire de la Psychanalyse« statt. Die dort vorgetragenen Forschungsergebnisse und Überlegungen finden sich im ersten Band der dickleibigen Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse zusammengefaßt. »Ist die Psychoanalyse nicht eine lebende Wissenschaft, eine Theorie und Praxis am Beginn ihrer Entwicklung? Kann man eine Geschichte schreiben von Ideen, die immer wieder neue Reaktionen auslösen, von Menschen, die noch ganz in unserer Nähe sind und deren Freunde vielleicht schockiert sein werden, daß jene wie abstrakte Objekte behandelt werden?« Alain de Mijolla ist Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für die Geschichte der Psychoanalyse und Herausgeber des vorliegenden Bandes. Seine im Editorial aufgeworfene Frage macht auf die Brisanz des Vorhabens der Gesellschaft aufmerksam, denn noch sehr viele Dokumente aus der Frühzeit der Psychoanalyse werden in den Archiven unter Verschluß gehalten. Brisant ist auch das Schwerkpunktthema der ersten Nummer: Psychoanalyse und Psychoanalytiker während des Zweiten Weltkrieges in der ganzen Welt. Hierzulande gibt es bereits eine Reihe von Veröffentlichungen zur Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland, aber was mit der Freudschen Wissenschaft z. B. in Frankreich, Holland, Ungarn oder Griechenland geschah, also in von Deutschen besetzten Ländern mit einer entsprechenden institutionellen Kontrolle, ist nicht bekannt. Wenn die Geschichten der anderen europäischen psychoanalytischen Gesellschaften auch nicht für so viel internen Streit gesorgt haben, so wird doch deutlich, wie prekär das Überwintern mancher Psychoanalytiker unter dem Nationalsozialismus war. Anna Maria Accerboni macht dies am Beispiel Italien deutlich, Alain de Mijolla am Beispiel Frankreich.
Adam Limentani eröffnet den internationalen Überblick mit einer Darstellung der Situation aus der Sicht der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Während des Krieges stellte die