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Die vergangenen zehn Jahre haben uns auf bestürzende Weise nicht nur das sadistische Potential der Menschheit vor Augen geführt, sondern auch einen Beweis für ihre Widerstandsfähigkeit geliefert. Aus der jüngsten Schlachtfelderfahrung haben wir eine fruchtbare und aufschlußreiche Literatur über die reaktiven Zustände gewonnen, die durch die überwältigenden Ängste und Belastungssituationen der modernen Kriegsführung verursacht werden.
Aber nicht allein der Krieg der Panzer, der Bomben und des Flakfeuers forderte psychologische Opfer. Es gab ein weiteres und noch entsetzlicheres Schlachtfeld. Ich meine die deutschen Konzentrationslager, die aufgrund von wohlüberlegtem Sadismus und berechnender Destruktivität als einer der brutalsten Ausbrüche der Inhumanität des Menschen gegenüber dem Menschen in die Geschichte eingehen werden.
Die Opfer der Konzentrationslager, die ständiger, unverminderter Todesangst ausgesetzt waren und denen es schließlich gelang, der Reise in die Gaskammern und Krematorien zu entkommen, haben uns durch das Ausmaß an Gesundheit und Gleichgewicht, das sie sich zu erhalten vermochten, in Erstaunen versetzt. Denn nach einer solchen Erfahrung weiterzuleben, zu versuchen, die eigene Rationalität zu behaupten und Arbeit und Pflichten des täglichen Lebens wiederaufzunehmen — diese Schwierigkeit zu bewältigen, schien zunächst unmöglich.
Vieles ist geschrieben worden, das meiste von den Überlebenden selbst. Es schildert den Terror und den Sadismus, dem sie unterworfen waren. Trotz dieser anwachsenden Literatur wissen wir aber immer noch vergleichsweise wenig über die tiefere Psychodynamik jener Handvoll Menschen, die nach der Befreiung den Lagern entkamen. Ich spreche bewußt von einer »Handvoll«, denn ich denke vor allem an die überlebenden Juden. Von annähernd sechs Millionen Juden, die in die Lager kamen, konnten nur ungefähr 100000 überleben, und unter ihnen waren nur ungefähr 4000 Kinder.1