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Ob ein solches Plädoyer nötig sei, mag man sich fragen, wo doch Sprache unser hauptsächliches professionelles Werkzeug ist, wir lange Jahre in unserer psychoanalytischen Ausbildung trainiert haben, uns unseren Patienten klar und situationsangemessen mitzuteilen. Was wir mitteilen, die Inhalte unserer Rede also, hängen von der jeweiligen Situation ab und sind von uns weitgehend bestimmbar; die Grammatik der Sprache, in der dies geschieht, ist dagegen festen Regeln unterworfen. Was sollte es da also zu verbessern geben? Ich meine, es gibt etwas zu verbessern, und zwar etwas ganz Einfaches. Es ist so simpel und eigentlich leicht machbar, daß ich mich immer wieder wundere, warum es — nach zehnjähriger Diskussion in Deutschland und zwanzig Jahren Forschung in den USA — trotzdem so schwer durchzusetzen ist: Ich meine die Sichtbarmachung des Weiblichen in der Sprache, auch in der Sprache der Psychoanalyse.
Die Unterschlagung des Weiblichen in der Sprache hat bekanntlich vielfältige Formen. In nahezu jedem Buch, jeder Zeitung, die frau aufschlägt, trifft sie in generalisierenden Zusammenhängen auf die männliche Form von Substantiven und Pronomina: Man wendet sich an »den Leser«, »den Zuschauer«, »den Hörer«, »den Kunden«, »den Bürger«, »den Wähler«, selbst wenn es sich bei den so Bezeichneten in der Mehrzahl um Frauen handeln sollte. Man geht »zum Arzt«, »zum Rechtsanwalt«, »zum Analytiker«, spricht von den »Vätern der Verfassung« und vom »einfachen Mann auf der Straße« und muß bei derlei Rede den Eindruck gewinnen, unsere Welt bestünde nur aus Männern. Dies alles wirkt so alltäglich, so vertraut und deshalb auch ganz harmlos. Die meisten von uns haben sich an diese eingeschlechtliche Redeweise in einem Maße gewöhnt, daß sie ihnen nicht mehr auffällt. Sie zählt sozusagen zu den kulturellen Selbstverständlichkeiten. Als ich in unserem Institut ein Referat mit dem Titel »Der Analytiker und sein Patient« anmeldete, fiel deshalb auch meinen Kollegen zunächst nichts Besonderes au