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Winnicotts Publikationen liegen in zahlreichen Aufsätzen vor, er hat nur einen Versuch unternommen, seine Gedanken in einem Buch zusammenzufassen; es blieb unvollendet. Der ursprüngliche Zweck dieses Buchs war die Ergänzung von Vorlesungen, die Winnicott für Lehrer und Sozialarbeiter an der Londoner Universität hielt, es sollte das in den Vorlesungen Erarbeitete allen zugänglich machen, die in irgendeiner Weise mit dem Studium der »menschlichen Natur« befaßt sind. Angesprochen sind Kinderärzte, Frauenärzte als Geburtshelfer und insbesondere alle, die sich mit der Betreuung von Kleinkindern beschäftigen, nicht zuletzt Kinderpsychotherapeuten und Psychoanalytiker.
Winnicott geht von einer allgemeinen Darstellung der Psychoanalyse Freuds aus, und das heißt auch, von den späteren Stadien der kindlichen Entwicklung, vom Ödipus-Komplex. Bei der Untersuchung der früheren Phasen verarbeitet Winnicott auf eigene Weise Melanie Kleins »depressive Position«, nicht ohne in einer Fußnote den kontroversen Standpunkt Edward Glovers zu erwähnen. Die Darstellungen der ersten Kapitel werden deshalb nicht nur für Studierende interessant sein.
Mit Teil IV beginnt das Herzstück des Buchs. In dessen Zentrum steht die »theoretische erste Fütterung« des Neugeborenen. »Diese theoretische erste Fütterung ist auch eine aktuelle erste Fütterung, wenn wir davon absehen, daß diese in der realen Erfahrung nicht so sehr eine Sache eines einzigen Aktes ist, als vielmehr der Aufbau von Erinnerungen an mehrere Ereignisse« (S. 100). Gelingen und Mißlingen der »ersten Fütterung« entscheiden über weitere wichtige psychische Entwicklungen. Ein schon berühmtes Diagramm erleichtert die schwierige sprachliche Vermittlung eines bedeutsamen Vorganges, der nicht zuletzt Säuglingspflegerinnen und Müttern, die instinktmäßig nicht immer so sicher sind, wie Winnicott oft meint, nahegebracht werden sollte. »Bei der (theoretischen) ersten Fütterung ist der Säugling in der Lage, schöpferisch zu sein, und die Mutter ermö