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Die Arbeiten des in Freiburg tätigen Psychoanalytikers, Forschers und Lehrers Cremerius wirken aufregend, faszinierend und überzeugend. Unter der Gelassenheit der psychoanalytisch probenden Einstellung und im glänzenden Stil des Schriftstellers lebt eine kämpferische Gesinnung: die Maske der Orthodoxie muß weggerissen, die Doppelzüngigkeit, mit der sich Macht und Stellung auch im Heilbetrieb des Seelischen breitmachen, muß entlarvt, die Selbstgewißheit erschüttert, das Unfragbare und Unausgesprochene — »Lehrbares und Sprachloses« heißt es bei Sophokles über Teiresias — befragt und enthüllt werden. Das einmal Ausgesprochene kann nicht wieder zugedeckt werden: es wirkt weiter, es zwingt uns, manches in einem neuen, blendenden Licht zu sehen, was uns in seiner Vertrautheit schutzgewährend, ja selbstverständlich erschienen ist.
Der Doppelband umfaßt Studien, die sich kritisch mit Fragen der psychoanalytischen Technik auseinandersetzen, mit Themen wie dem Schweigen des Patienten und des Analytikers, der Unfähigkeit, frei zu assoziieren, dem Zuviel-Reden des Patienten, mit technischen Fragen bei schweren Über-Ich-Störungen, der Bedeutung des Durcharbeitens, dem technischen Gegensatz zwischen Einsicht und emotionellem Erleben, den Erfahrungen bei der »Behandlung der Reichen und der Mächtigen« und den Problemen der Fremdfinanzierung. Doch ganz zentral steht in diesen beiden Bänden das Problem des tiefen inneren Widerspruches zwischen Freuds offiziell vertretener Technik und der, mit der er in Tat und Wahrheit arbeitete: damit stellt sich das noch gewichtigere Problem von Orthodoxie und Dissidenz in der Psychoanalyse. Jedes einzelne der Kapitel zeigt des Verfassers tiefe Kenntnis von Geschichte und Literatur, seine Abneigung gegen Dogmatismus und Starrheit, seine Offenheit und Sensitivität gegenüber der klinischen Erfahrung und sein systematisches, klares Denken.
Am bedeutsamsten scheint mir, daß Cremerius, wie auch gleichzeitig Thomä und Kächele, den Begriff einer idealen ana