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Psychologie als Wissenschaft ist aufgefordert, auf die ihren Bereich betreffenden schweren Menschheitsprobleme Antworten zu suchen und zu finden. Sie hat dabei Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften einzubeziehen. Was Psychologie erklären kann, sind die Reaktionsweisen des Individuums — in Abhängigkeit von seiner Art der Bezogenheit zu anderen Menschen, zu Autoritäten, zur Gemeinschaft. Das Herantreten an das Verstehen unserer jüngsten Vergangenheit — Nationalsozialismus, Faschismus, Diktaturen —, oft auch als Vergangenheitsbewältigung bezeichnet, muß die Kenntnis der Ereignisse zur Grundlage haben. Eine Gruppe von Autoren machte sich zur Aufgabe, zu dieser Kenntnis beizutragen, indem sie über die Situation der Psychoanalyse und ihrer Vertreter, der Psychologie und der Psychiatrie während der NS-Zeit in Deutschland und in Österreich berichtet. Stets werden Verbindungen zur Gegenwart gezogen, was legitim ist, da man keinen Strich bei 1945 ziehen kann, nachdem »alles anders geworden sei«. Die Menschen sind die gleichen geblieben, Entnazifizierung schien eine aus staatspolitischen Überlegungen notwendige Übung.
Es ist bekannt, daß ein großer Teil der Psychoanalytiker aus Deutschland und Österreich emigrierte. Auch Individualpsychologen emigrierten, auch sie hauptsächlich in die USA. Daß Psychiatrie, Medizin und z.T. Psychologie von den damaligen Machthabern in Dienst genommen und mißbraucht wurden, ist dokumentiert. Wieso ließen sich aber so viele Akademiker vor ihren Karren spannen und welche Lehren müssen daraus gezogen werden? Solange diese Fragen nicht geklärt sind, lassen sich kaum Konsequenzen für die Gegenwart ziehen.
Die Autoren der Beiträge, unter ihnen Reichmayr, Handlbauer, Geuter und aus der Schmitten, kommt das Verdienst zu, eine Bestandsaufnahme der damaligen Vorgänge zu leisten. Sie stellen dem Leser Fakten zur Verfügung und kommentieren sie. Ein richtungsweisender Ansatz für weitere Forschung ist m.E. bei Helene Maimann zu finden: »Der Nationalsozial