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Meines Wissens tritt hier zum ersten Mal eine Frau mit einem Buch an die Öffentlichkeit, das die Geschichte einer Analyse erzählt, in deren Verlauf der Analytiker eine sexuelle Beziehung zu ihr, der Analysandin, aufnahm. Es ist die Geschichte einer geradezu dämonischen Abhängigkeit, aus der sich die Autorin trotz des unsagbaren Leidens, das mit ihr verbunden war, über Jahre nicht lösen konnte und von der sie sich bis heute nicht erholt hat; eine Geschichte, die sie sich nur unter genauester Beachtung selbst auferlegter Schreibbeschränkungen gegen schlimmste Selbstschädigungsimpulse abringen konnte; eine Geschichte, die sie beinahe endgültig zerstört und völlig beziehungsunfähig zurückgelassen, die sie gut ihr Leben hätte kosten können und von der sie sich dann über Jahre mit Hilfe eines anderen Analytikers schreibend zu befreien suchte.
Was dieses Buch zu einem einzigartigen Dokument macht, ist neben seiner außergewöhnlichen literarischen Qualität das vorbehaltlose Bemühen der Autorin, zu verstehen, was ihr widerfahren ist. Dabei versucht sie von vornherein keinen chronologischen, »objektiven« Tatsachenbericht, sondern sie schildert in eher assoziativer Folge Szenen, Einfälle, Träume; und immer wieder reflektiert sie ihren Anteil an dem Geschehenen, konfrontiert sie sich und ihre Leser mit ihren Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen, die mit ihrem »Analytiker-Geliebten« verbunden waren und sind.
Der äußere Ablauf dieser Geschichte, die wahrscheinlich viel weniger außergewöhnlich ist, als wir uns alle glauben machen wollen, ist schnell erzählt. Vor mehr als zehn Jahren, nach dem Psychologiestudium, bewirbt sich die Autorin um die psychoanalytische Ausbildung, wird zugelassen und wendet sich an einen Lehranalytiker, der ihr von einem Freund, der selber Analytiker ist, empfohlen wurde. Der Mann ist ihr nicht sympathisch, sie zögert. »Aber Psychoanalytiker vergleicht man nicht mit den Männern dieser Welt. Man wählt sie nicht nach denselben Kriterien aus« (S. 23). Sie nimmt als