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Wer vor zwei Jahren die Besprechung des Buches Tiefenschwindel von Dieter E. Zimmer gelesen hat (Psyche, 41, , S. 766-769), wird kaum zu einem neuen Buch dieses Autors greifen. (Es ist gerade eines mit dem Titel Experimente des Lebens im Haffmans-Verlag, Zürich, erschienen und behandelt, wie es im Untertitel verspricht, »Wilde Kinder, Zwillinge, Kibbuzniks und andere aufschlußreiche Wesen«.) In jener Besprechung von Holdger Platta wird Zimmer eine den aktuellen Forschungsstand nicht berücksichtigende Rezeption der Psychoanalyse bescheinigt, es heißt, er sei unfair und voreingenommen; vor allem wird ihm fehlende Wissenschaftlichkeit vorgeworfen.
D.E. Zimmer schreibt zweifellos eine spitze, manchmal polemische Feder. Sein Buch Tiefenschwindel ist in vielen Passagen, so im Titel wie im letzten Kapitel, wo er die Psychoanalyse im Jahre 2222 als vergessen glossiert, eine gezielte Provokation. In dem Buch entfaltet er aber auch eine breite Skala von Informationen über empirische Forschungen zu den Bedingungen menschlichen Erlebens und Verhaltens, also zum Gegenstand der Psychoanalyse. Dabei ist er selbst »urteilsfreudig«, nimmt Stellung und fordert den Leser zu eigener Stellungnahme heraus. Etwa zu einer, die seine eigene Prognose vom Jahr 2222 betrifft: Welche der geistes- oder naturwissenschaftliche Lehren sind denn nach mehr als 300 Jahren noch aktuell — es sei denn, sie hätten sich gewaltig weiterentwickelt?
Es gibt gegenwärtig keinen wissenschaftlichen Journalisten von Rang in der BRD, der die Psychoanalyse so ernst genommen und Sigmund Freud so genau gelesen hat, ihn so wörtlich nimmt wie Dieter E. Zimmer. Nimmt er ihn zu wörtlich, zu wenig metaphorisch? Vielleicht ist Zimmer naiv, wenn er kritisch von Übertragung spricht, dabei nicht die Gefühlsbeziehung zwischen Patient und Analytiker bezweifelt, sondern die Wiederbelebung bestimmter infantiler Gefühle als Therapeutikum in Frage stellt; wenn er von Sexualität spricht, so offenbar banal von