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Wer einen Teil seiner beruflichen Tätigkeit der Behandlung von Alkoholikern und Drogensüchtigen widmet, steht immer wieder dem zentralen Dilemma gegenüber: Er arbeitet mit Toxikomanen, deren Probleme und Persönlichkeit fundamental denen gleichen, mit denen er in seiner sonstigen psychotherapeutischen oder psychoanalytischen Tätigkeit ständig zu tun hat und die Ausdruck des komplexen inneren und sozialen Kausalitätsgewebes darstellen, aber nun plötzlich in diesem einen Zusammenhang umdeklariert und einem ganz bestimmten linearen Ursachen-Wirkungs-Nexus unterworfen werden — sowohl durch die Patienten selbst wie durch die offiziellen Wortführer der als wirkungsvoll angeschauten Behandlungsmodalitäten. Überdies heißt es, es handle sich um eine Krankheitseinheit, die durch Kontrollverlust, also durch die Einbuße innerer Freiheit bis zu völliger Abhängigkeit und Hilflosigkeit, bestimmt sei. Doch dann wird im Handumdrehen von den Kranken verlangt, daß sie auf ihre krankhaften Handlungen und Haltungen willentlich verzichten, um allein so der Vorteile der angebotenen Behandlung teilhaftig werden zu können. Die als einheitlich diagnostizierte und behandelte Krankheit wird als eine bezeichnet, die zwar prinzipiell unheilbar sei, doch werden frappante Erfolgskriterien präsentiert, die mit der eigenen klinischen Erfahrung einfach nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. So wird der Therapeut sich immer wieder vor den Kopf geschlagen fühlen, wenn ihm die absolute, dogmatisch verkündete Wahrheit entgegengehalten wird, daß all seine psychotherapeutischen oder -analytischen Bemühungen bei diesen Patienten völlig verfehlt seien und in Wirklichkeit die einzig hilfreiche Lösung, nämlich die der »Alcoholics Anonymous«, verhindern, daß er also selbst Teil der Krankheit, nicht der Heilung sei. Es wird ihm auch zustoßen, daß er von Politikern, die zu Aposteln und Missionaren dieses Glaubens geworden sind, zunächst befehdet, schließlich auch aus Amt und Würden gejagt wird, solange er darau