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Der zweite Band des Lehrbuchs von Thomä und Kächele, dessen erster Band »Grundlagen« in dieser Zeitschrift (9/1986) emphatisch besprochen worden war, ist mit »Praxis« überschrieben und besteht im Kern aus einer Aneinanderreihung von tonbandprotokollierten Behandlungsausschnitten und den ihnen jeweils angefügten, didaktisch orientierten »Überlegungen« und »Kommentaren«. In seiner inhaltlichen Gliederung folgt der zweite ganz dem ersten Band: 1. Einleitung, 2. Übertragung und Beziehung, 3. Gegenübertragung, 4. Widerstand, 5. Traumdeutung, usw. Ich befürchte, daß die intendierte Stärke des Vorhabens, seine maximalistische Orientierung an der unverfälschten Wiedergabe des verbalen Dialogs von Patient und Analytiker, zugleich seine größte Schwäche ist. Ich will versuchen, dieses Urteil zu begründen, ohne daß der Eindruck einer Entwertung des gesamten Werkes zurückbleibt. Das Vorhaben der Autoren ist ja kein geringeres, als den in viele, untereinander teils verträgliche oder sogar komplementäre, teils unversöhnlich sich bekämpfende Denkmodelle, Begriffssprachen, Entwicklungspsychologien und Grundannahmen auseinandergelaufenen psychoanalytischen Diskurs wieder auf eine verstehbare und lehrbare Grundlinie zu zentrieren. Und diesem Vorhaben stehe ich mit ungläubiger Bewunderung, jedoch keineswegs ablehnend gegenüber.
Ohne allzu große Strenge müßte es das Ziel einer in Lehrbuchform gefaßten »Praxis« der psychoanalytischen Therapeutik sein, den zu Belehrenden didaktisch an das Wesen des Lehrstoffs heranzuführen. Dieses »Wesen« wird nach unserer Auffassung von Psychoanalyse durch die innere oder psychische Realität des Patienten und deren Transparentwerden im psychoanalytischen Prozeß konstituiert. Das Gestaltungsprinzip des 2. Bandes, nämlich 1.die illustrierende Aneinanderreihung von (im 1. Band theoretisch entfalteten) Detailproblemen und 2.die besondere Art und Weise dieser Illustrierung verhindern aber gerade — mit sachlogischer Notwendigkeit, wie ich befürchte — diese Her