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Mit routiniertem Spürsinn und akribischer Finesse weist Gerhard Härle in den biographischen und literarischen Hinterlassenschaften des »homosexuellen Dichters Thomas Mann« (S. 247) jene Schrecken nach, die einst hinter den bürgerlichen Masken eines repräsentativen Großschriftstellers lauerten. Und Thomas Mann war sich seiner Gefährdungen durchaus bewußt, die sich für ihn aus seinem homosexuellen Begehren ergaben, von dem er meinte, es könne sich allenfalls destruktiv manifestieren. Nach Härle resultiert die Größe des Werkes Thomas Manns unter anderem gerade aus solchem Bewußtsein und aus dem damit verbundenen Kampf, mit Hilfe des literarischen Werkes den Versuchungen der Homosexualität zu widerstehen, indem ihnen im Reiche der Fiktion stattgegeben wird. Die künstlerische Gestaltung beseitigt zwar nicht das Trauma, aber sie ermöglicht dessen Umgestaltung, dessen wiederholendes Durcharbeiten.
Unsublimiert, direkt, schamlos hingegen die offene Homosexualität des Sohnes, des »homosexuellen Schriftstellers Klaus Mann« (S. 279). Was der Sohn auslebt — verbunden mit Drogensucht und schließlichem Selbstmord —, also die Selbstzerstörung, das verdeckte der Vater in der Kunst wie im Leben. Will man der These Härles folgen, so rettete sich der Vater durch das Schreiben, aber auch durch den subtilen Mißbrauch des Sohnes, der vom Vater als Delegierter verwendet, wohl gar — im psychischen Sinne — vergewaltigt worden sei. Der Vater entgeht der