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Lieber Herr Cremerius,
Zunächst möchte ich die Leserinnen und Leser der Psyche über die Gründe Ihres offenen Briefes informieren.
Auslöser war ein Gutachten, das ich, durch Vermittlung eines mit mir befreundeten Psychologen, für das Bundesverteidigungsministerium 1979 erstattet habe und das 1982 in den »Wehrpsychologischen Untersuchungen« veröffentlicht wurde. »In einem fachlichen Gutachten behandelt der Autor die entwicklungspsychologische Situation junger Männer, die zum Grundwehrdienst in der Bundeswehr heranstehen, aus psychoanalytischer Sicht. Er geht auf eine Reihe von Schwierigkeiten ein, die der Wechsel vom zivilen in den militärischen Bereich mit sich bringt. Er erarbeitet die Grundstruktur eines entwicklungspsychologischen Untersuchungsprogramms, das routinemäßig bei der Eignungs- und Verwendungsprüfung Wehrpflichtiger eingesetzt werden kann sowie eines Adaptionsprogramms für den Beginn des Grundwehrdienstes.« So lautet, wörtlich, die Zusammenfassung des Gutachtens.
Was die entwicklungspsychologische Analyse der Probleme und Schwierigkeiten angeht, die sich für Wehrpflichtige in der Grundausbildung ergeben, so wird auf Freud (1905), Erikson (1966) und Blos (1962) hin gewiesen, um die kritische Entwicklungsphase der zum Wehrdienst Einberufenen besser verständlich zu machen. Außerdem wird auf die Schwierigkeit des Übergangs vom zivilen in den militärischen Bereich eingegangen. Die dort herrschende Hierarchie ohne den Rückhalt in der Primärgruppe der Familie und ohne die Verbindung zum anderen Geschlecht wurde hervorgehoben. In den genannten entwicklungspsychologischen Faktoren sieht der Autor des Gutachtens Gründe für die in der Bundeswehr vorkommenden Suizidversuche, den Alkoholkonsum und für die häufigen psychoneurotischen und psychosomatischen Störungen.