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zu Johannes Cremerius' Aufsatz »Die hochfrequente Langzeitanalyse und die psychoanalytische Praxis. Utopie und Realität« in Psyche 1/1990, S. 1-29.
Die Psychoanalyse hat seit ihren Anfängen mit Kritik und heftiger, oftmals polemischer Abwehr gelebt und diese vielfach zur Differenzierung und Weiterentwicklung von Theorie und Praxis genutzt. Häufig kam die Kritik von außen, von Gegnern in der Gesellschaft: »Die Gesellschaft wird sich nicht beeilen, uns Autorität einzuräumen. Sie muß sich im Widerstand gegen uns befinden, denn wir verhalten uns kritisch gegen sie; wir weisen ihr nach, daß sie an der Verursachung der Neurosen selbst einen großen Anteil hat« (S. Freud, 1910, S. 111). Zugleich gab und gibt es immer auch Kritik von innen. Die Geschichte der Psychoanalyse ist auch eine Geschichte von Trennungen, Abspaltungen und Dissidententum. Oftmals konnte das Abgespaltene aus zeitlichem und innerem Abstand später als wesentliche Bereicherung verstanden und wieder einbezogen werden.
Cremerius sind eine Reihe von Publikationen zu verdanken, in denen er sich kritisch mit bestehenden Konzepten, Behandlungstechniken etc. auseinandergesetzt hat. Teils anregend, schießen die Beiträge zuweilen über das Ziel hinaus. Das jüngste mir zugängliche Beispiel ist eine in mancher Hinsicht nützliche Zusammenstellung von Zahlen und Materialien über die medizinische Anwendung der Psychoanalyse . Doch an einigen Beispielen werde ich zeigen, daß er dabei auf der einen Seite wesentliche Differenzierungen verwischt, andererseits Distanz herstellt und zuweilen wissenschaftliche Sachlichkeit polemischer Provokation opfert. Deshalb überrascht es den Leser am Ende, daß sich der Autor nach einer Vielzahl von Attacken gegen die »institutionalisierte Psychoanalyse« selbst als »Lehranalytiker der DPV« (S. 100), also als Mitglied eben dieser »institutionalisierten Psychoanalyse« bezeichnet,