You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Was will Cremerius? Hat die Verwirrung, in die man sich nach der Lektüre bezüglich der Intention dieses Artikels gestürzt fühlt, etwa damit zu tun, daß er letztlich doch das propagiert, wogegen er anscheinend zu Felde zieht? Wird nicht die von ihm beklagte Ausgrenzung der »niederfrequenten, zeitlich limitierten Behandlungen« (S. 1) aus dem wissenschaftlichen Diskurs gerade dadurch zementiert, daß er massiv und wiederholt für eine »niederfrequente, zeitlich limitierte Analyse« (S. 11) eintritt, er gleichzeitig aber das, was als theoretischer Bezugsrahmen fungieren könnte, als indiskutabel abtut und so unweigerlich in einer durch ökonomische und soziale Faktoren bestimmten Zweckrationalität endet? Mit welchen Kunstgriffen kommt Cremerius zu diesem Ergebnis?
Da wird uns im ersten Abschnitt ein vielleicht hehrer, aber doch völlig überzogener Anspruch der »institutionalisierten Psychoanalyse« suggeriert, der darin bestehe, daß ein wahrer Analytiker nur 4- bis 5stündige Analysen durchführe. Dem wird dann eine Realität gegenübergestellt, die ganz anders ist. Und hier wird aus einer statistischen Quantität gleich ein qualitativ neues Standardverfahren. Man fragt sich, ob diese Kluft, die Cremerius an den Pranger stellt, wirklich so existiert. Schaffen nicht die aus hochfrequenten Langzeitanalysen gewonnenen Erkenntnisse den gemeinsamen Bezugsrahmen? Das verlangt jedoch keineswegs, daß man anderen Anwendungen der Psychoanalyse (niederfrequente Psychotherapie, Fokaltherapie, Balint-Gruppen etc.) abschwören müßte, wie Cremerius das zu unterstellen scheint.
Während man anfangs noch den Eindruck gewinnen kann, daß man sich notgedrungen mit einer Realität auseinandersetzen müsse, in der angeblich die Zahl der Patienten, bei denen die Indikation zur Psychoanalyse gestellt werden kann, wie auch die Zahl derjenigen, die eine hochfrequente Langzeitanalyse bezahlen können, immer mehr zurückgeht, so wird man allmählich eines Besseren belehrt. Die eigentliche Stoßrichtung geht nämlich dah