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Als Freud dem Phänomen Witz, angeregt durch Arbeiten von Th. Lipps, 1905 eine an seine Traumdeutung anknüpfende Studie mit dem Titel Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten widmete, stellte sein psychoanalytischer Beitrag zur Ästhetik eine Grenzüberschreitung dar.
Das widerständige Forschungsobjekt Witz ist mittlerweile auch zum Gegenstand einer germanistischen Witzforschung geworden. Dort aber wird es, entsprechend einem Wissenschaftsverständnis, das zunehmend zu Grenzziehungen tendiert, von psychoanalytischen wie von philosophischen Fragestellungen weitgehend abgetrennt. Sowohl die die philosophische Tradition durchziehenden Diskurse über den Witz als ein spezifisch menschliches »Vermögen« und als Produkt eines stilistischen Gestaltungsprinzips (das im Laufe seiner Geschichte mehrfach ästhetische Auf- und Abwertungen erfahren hat) als auch der Wandel dessen, was sozialgeschichtlich als (jeweils historisch-spezifische) »Witzkultur« die Realgeschichte des Witzes repräsentiert, schlagen sich in einer Kompetenz-und Begriffsunsicherheit nieder, der man in der Regel durch Reduktion auf die »Textsorte« Witz zu entkommen sucht. Freuds Zuordnung des Witzes zu den Entlastungsstrategien der Kulturarbeit (wobei in einer den Zensurdruck umgehenden Transformation verpönter Tendenzen das nunmehr verrätselte, lustbereitende Produkt Witz hervorgebracht wird) gilt, sofern rezipiert, zumeist als untauglich, da sich die »Textsorte« in der Psychoanalyse als etwas Entstelltes, in der Germanistik als etwas Dargestelltes präsentiert.
Die Fragestellungen, die in der aktuellen germanistischen Witzforschung auf ihren dergestalt eingegrenzten Gegenstand bezogen werden, fallen in zwei partikulare, einander wiederum begrenzende Ansätze auseinander: Die sprachwissenschaftlich orientierten Arbeiten, die auf struktureller Ebene die »charakteristische Sprachverwendung« des Witzes thematisieren, blenden deren Genese und Funktion — die von Freud, in Anlehnung an die »Traumarbeit«, auf den Begriff