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Der Krieg ist zu Ende. Wie viele andere Kinder auch wartet die kleine Monika auf die Rückkehr ihres Vaters aus der Kriegsgefangenschaft. Am Nachmittag würde er heimkommen, ganz bestimmt. Am Vormittag ging sie schließlich zur Schule. Mit einem Stück Kuchen, vom Mund abgespart, würde sie ihn empfangen. Die Süßigkeiten in der Schule, verteilt an jene Kinder, »deren Väter im Krieg geblieben waren« — nie wußte Monika, ob sie die begehrten Naschereien annehmen sollte, nein, sie würde wie jeden Nachmittag auf den Vater warten. In der Klasse wurde sie eines Tages gefragt, wie denn ihr Vater hieße. »Vati«. Die Klasse höhnte. Das konnte sie nicht auf sich sitzen lassen. »Friedrich«, erfand sie, »das klingt ein bißchen wie Friedhof. Und mir war dies damals völlig klar, als ich den Namen benutzte« (S. 271).
So erzählt eines der vielen Kinder von Nazi-Tätern dem israelischen Psychologen Dan Bar-On. Bar-On hat über mehrere Jahre hinweg in Deutschland Interviews mit Kindern von Nazis durchgeführt, die während der Kriegszeit schwere Verbrechen verübt hatten. Die Protokolle von dreizehn dieser Gespräche sind inzwischen ins Englische übersetzt worden und in den USA erschienen.
Monika hat erst spät erfahren, daß ihr Vater in Riga als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet wurde. Die Mutter hatte ihr dies verschwiegen, sie bestand auf der Unschuld des Vaters. Aber: »Lange nachdem ich die Schule verlassen hatte, bin ich auf einen Photoband gestoßen: diese furchtbaren Bilder aus den Lagern, diese hungernden, ausgezehrten Menschen, diese Berge von Leichen. Heute denke ich, daß ich unbewußt spürte, daß da irgend etwas über meinen Vater war. Viele Jahre war es so, daß ich immer dann, wenn ich auf Bücher über diese Zeit stieß, erstmal das Inhaltsverzeichnis und das Register durchgegangen bin« (S. 276). Monika ist fündig geworden.
Seit sie weiß, daß ihr Vater direkt an der Judenvernichtung beteiligt war, findet sie es schwer erträglich, wenn Leute, die ihren Vater noch gekannt haben, ihr s