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Mit ihrem jüngsten Buch führt Alice Miller, die sich nun nicht mehr als Psychoanalytikerin verstanden wissen will, ihren Kreuzzug gegen die Psychoanalyse fort, den sie vor einigen Jahren mit ihrem Bestseller »Du sollst nicht merken« begonnen hatte. Aber anders als damals, als sie zwar die psychoanalytische (Trieb-) Theorie verwarf und sie für manches Leid auf der Welt verantwortlich machte, die psychoanalytische Methode jedoch ausdrücklich als Grundlage ihrer eigenen Erkenntnisse verteidigte (und ihr Buch zum Dank dafür gar Sigmund Freud zum 125. Geburtstag widmete), geißelt sie heute gerade auch die psychoanalytische Praxis und Methode mit geradezu heiligem Zorn.
Heute nämlich weiß sie, daß sie damals einem Irrtum erlegen war, daß sie »ohne die Scheinhilfe der Psychoanalyse, die das Wissen über das Geschehene abzuwehren hilft, [… ihren] Weg zur Wahrheit zweifellos früher gefunden« hätte (S. 231). Heute weiß sie, »daß Freud mit seiner Methode ein System des Selbstbetrugs geschaffen hat, das im Interesse der Verdrängung zuverlässig funktioniert« (S. 237), auch wenn sie einzelnen Analytikern den Wunsch zu helfen nicht abspricht: »Sie müssen scheitern, solange sie mit der Methode des freien Assoziierens arbeiten« (S. 233), denn diese »hat ja einst nur dazu gedient, die Traumen der Kindheit unkenntlich zu machen, wie will man nun mit [ihrer] Hilfe den einst mißbrauchten Kindern helfen?« (S. 232f.).
Manches, was Miller in diesem Zusammenhang über die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren sagt, ist kaum zu bestreiten: Viele, wahrscheinlich die meisten Analytiker haben die Tendenz, Eltern zu schützen, das ihren Klienten von diesen angetane Leid zu verleugnen und statt dessen sie selbst für ihr Schicksal verantwortlich zu machen — eine Tendenz, die nicht zuletzt von der traditionell autoritär organisierten Ausbildung mit ihrer Nötigung zur Unterwerfung (und zur »Identifikation mit dem Aggressor«) am Leben gehalten wird. Unbewußt werden daher viele Analytiker mit ihren P