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Würdige Präsidenten und liebe Brüder! Ich bitte Sie, nicht zu glauben, daß ich meinem Vortrag in einer mutwilligen Anwandlung einen so gruseligen Titel gegeben. Ich weiß, daß es viele Menschen gibt, die vom Tode nichts hören wollen, also vielleicht auch unter Ihnen, und wollte es vermeiden, daß diese Brüder in eine für sie peinliche Stunde gelockt würden. Auch hätte ich das andere Stück meines Titels abändern können. Anstatt: »Wir und der Tod« könnte es heißen: »Wir Juden und der Tod«, denn das Verhältnis zum Tode, das ich vor Ihnen behandeln will, zeigen gerade wir Juden am häufigsten und extremsten.
Sie können sich aber leicht denken, wie ich gerade zur Wahl dieses Themas geleitet worden bin. Es ist eine Folge des schrecklichen Krieges, der in dieser Zeit wütet und uns allen die Orientierung im Leben raubt. Ich glaube gemerkt zu haben, daß obenan unter den hier wirksamen verwirrenden Momenten die Veränderung in unserer Einstellung zum Tode steht.
Welches ist nun unsere Einstellung zum Tode? Ich meine, sie ist sehr merkwürdig. Wir benehmen uns im ganzen so, als wollten wir den Tod aus dem Leben eliminieren; wir wollen ihn sozusagen totschweigen; wir denken an ihn wie — an den Tod! Diese Tendenz kann sich natürlich nicht ungestört durchsetzen. Der Tod macht sich uns doch gelegentlich bemerkbar. Dann sind wir tief erschüttert und wie durch etwas Ungewöhnliches aus unserer Sicherheit gerissen. Wir sagen: »Schrecklich!«, wenn ein verwegener Flieger oder Bergsteiger verunglückt, wenn ein Gerüsteinsturz drei oder vier Arbeiter begräbt, wenn bei einem Fabriksbrand zwanzig Lehrmädchen umkommen oder wenn gar ein Schiff mit einigen Hunderten von Passagieren zugrunde geht. Am meisten ergriffen sind wir, wenn der Tod einen unserer Bekannten betroffen hat; wenn es ein B.B.-Bruder ist, halten wir dann sogar eine Trauersitzung ab. Aber niemand könnte aus unserem Benehmen schließen, daß wir den Tod als eine Notwendigkeit erkennen, daß wir die sichere Überzeugung haben,