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Das interdisziplinäre Projekt einer psychoanalytischen Sozialforschung ist trotz der großen und häufig überzogenen Erwartungen, die sich seit Erich Fromms Entwurf einer »analytischen Sozialpsychologie« daran knüpfen, bis heute nicht über das Versuchsstadium hinausgelangt. Teils wurde mit sich ergänzenden Kombinationen sozialwissenschaftlicher und psychoanalytischer Methoden experimentiert, teils auf theoretischer Ebene nach einer neuen, eigenständigen Begrifflichkeit und Systematik zum Zweck der »Kulturanalyse« (Lorenzer) gesucht. Unter dem Druck soziologischer und sozialpolitischer Erkenntnisinteressen sind dabei offensichtlich entscheidende Probleme der Empirie, d.h. der forschenden Praxis übergangen worden, die die Entfaltung einer interdisziplinären Erkenntnisbildung verhindern und die insbesondere bei Psychoanalytikern Kritik am Schematismus gesellschaftskritischer Sozialforschung provozieren. Thomas Leithäuser und Birgit Volmerg, beide Professoren im Studiengang Psychologie an der Universität Bremen, haben diese Kritik aufgegriffen und versucht, den psychoanalytischen Prozeß der Erkenntnisbildung zur Grundlage ihrer nunmehr gut zehnjährigen sozialpsychologischen Forschungspraxis zu machen. Ihr Erkenntnisinteresse richtete sich dabei weniger auf die sozialpsychologische Hypothesenbildung als vielmehr auf deren Voraussetzungen, die notwendigen methodischen Veränderungen zur Überwindung des Grabens zwischen psychoanalytischer und sozialwissenschaftlicher Empirie. Einen entscheidenden Anstoß erhielten sie durch die ethnopsychoanalytische Arbeit von Paul Parin und Maya Nadig, denen es im Laufe ihrer Feldforschungen in Afrika und Mexiko gelang, sich so weit auf ihre Gesprächspartner und deren alltägliche Lebenswelt einzulassen, daß sie deren un- bzw. vorbewußte Struktur in ihrer Wirkung auf die eigene wahrnehmen konnten und quasi mit deren Augen sehen lernten, ohne die eigene Sicht der Dinge zu verlieren. Dies ist auch eine Grunderfahrung in der Ausbildung zum Psych