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»Man versteht die Geschichte der Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt«, so Sigmund Freud 1923. Ganz im Sinne dieser Freudschen Empfehlung hat sich Johannes Reichmayr auf die »Spurensuche in der Geschichte der Psychoanalyse« gemacht.
Die Intention des Buches bringt Paul Parin in seinem Vorwort auf den Punkt: »[…] die historischen Bedingungen, unter denen sich die Psychoanalyse bisher entwickelt hat, kritisch zu erforschen« (S. 11). Parin wendet sich somit — ganz im Sinne von Reichmayr — entschieden gegen die zumindest bis in die 60er Jahre übliche Tendenz zur »Personalisierung« der Geschichte der Psychoanalyse und disqualifiziert diese Betrachtungsweise als »subjektgebunden« und »ahistorisch«: Es sei ein gesellschaftsblinder, verhängnisvoller Irrtum, die Entstehung der Psychoanalyse als die »heldenhafte« Tat einiger weniger unabhängiger Geister darzustellen. Die Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse sei vielmehr ein sozialer Prozeß, bei dessen genauerer Analyse es sich erweise, daß »alles, was soziologisch als Anpassung und zweckmäßig gebotene Institutionalisierung imponiert, […] gegen die Entwicklung und Vertiefung psychoanalytischer Erkenntnis« wirke (S. 11).
Die Frage, die sich Parin angesichts der von ihm insbesondere in der letzten Zeit immer wieder heftig kritisierten Anpassung der Analyse an herrschende Interessen aufdrängt — ob die Analyse nicht nur bedroht, sondern angesichts der vorherrschenden Verhältnisse nicht im Grunde unmöglich sei —, beantwortet es indirekt mit der Feststellung: Der »psychoanalytische Kampf gegen Verblendung und Illusion« werde weitergehen, »wenn wir jene Illusionen durchschauen und aufgeben, die uns die Verhältnisse aufgezwungen haben« (S. 11).
Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt, in denen die für die Entwicklung der Psychoanalyse einschneidenden historischen Zeiträume vor ihrem soziohistorischen Hintergrund betrachtet werden. Jedes Kapitel wird durch einen die Geschichte und die