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Reprints werden heutzutage normalerweise von Zeitschriften hergestellt, die einen legendären Ruf genießen oder in den Bibliotheken zu zerfallen beginnen. Bis zum Erscheinen dieses Bandes wird allerdings wohl nur der geringste Teil der Leser von der Existenz des Internationalen Ärztlichen Bulletins (IAB) gewußt haben. Im Vorwort erfahren wir, daß es die einzige deutsche ärztliche Exilzeitschrift war und als Nachfolgerin des von dem Psychoanalytiker Ernst Simmel und dem Zahnarzt Ewald Fabian in den Jahren 1925 bis 1933 herausgegebenen »Sozialistischen Arztes« angesehen werden kann. Dieser war wiederum das offizielle Organ des »Vereins sozialistischer Ärzte«, der 1913 von Ernst Simmel gemeinsam mit Karl Kollwitz, dem Ehemann von Käthe Kollwitz, und anderen gegründet worden und der in der SPD immer mit einem gewissen Mißtrauen als Sonderorganisation der Akademiker in der Partei des Proletariats angesehen worden war, da er neben gesundheits- auch standespolitische Ziele verfolgte (vgl. S.IX).
In den kontroversen Vereinsdiskussionen ging es z.B. um die Stellung zu den Krankenkassen und die Bedeutung von Ambulatorien als Vorstufen zu einer Sozialisierung des Gesundheitswesens (vgl. S.X). Unter anderem wurden Fragen der Arbeitsmedizin, des Alkoholismus, der Geburtenkontrolle, der zahnmedizinischen Prophylaxe, der Psychotherapie als Kassenleistung thematisiert.
Auch nach den verschiedenen politischen Spaltungen blieb Ernst Simmel im Vorstand des Vereins, der als einziger Berufsverband sozialdemokratische und kommunistische Mitglieder vereinte (vgl. S. Xf.). Auch andere Analytiker wie Siegfried Bernfeld, Otto Fenichel, Wilhelm Reich, Heinrich Meng, Angel Garma, Josef Friedjung, Margarete Stegmann u.a. waren Mitglieder (vgl. Brecht et al., S. 38). Der Psychoanalytiker Henry (Heinrich) Löwenfeld, in dessen Nachlaß sich alle Exemplare des Bulletins gesammelt fanden, war mit dem Herausgeber Ewald Fabian befreundet. (Der Name Ernst Simmels, der über Belgien und England in die USA ge