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Mit der Entdeckung und Ausbreitung der Immunschwächekrankheit AIDS ist gleichzeitig ein neues neurotisches Krankheitsbild entstanden: die AIDS-Phobie. Wie kaum eine andere Krankheit in der modernen Gesellschaft ist AIDS zu einer Metapher geworden (vgl. Sontag, 1988), die im näheren und weiteren Umfeld Panik, Angst und Schrecken, häufig aber auch Ekel, Abscheu und Ausgrenzungsimpulse hervorruft. Manche Menschen sind von einer übertrieben anmutenden Angst befallen, daß sie sich selbst oder daß sich ihre Angehörigen mit dem HIV-Virus infizieren könnten, und sie praktizieren deshalb phobische Vermeidungsstrategien und penible Vorsichtsmaßnahmen, um ihre Ängste zu dämpfen. Bei anderen steigert sich die Ansteckungsangst bis zu der wahnähnlichen Vorstellung, mit dem HIV-Virus infiziert zu sein. Der AIDS-Hypochonder ist von der in der Realität nicht begründeten und von großer Angst begleiteten unkorrigierbaren Überzeugung beherrscht, an der lebensbedrohlichen Immunschwäche erkrankt zu sein und bald sterben zu müssen. Seine Befürchtungen treiben ihn zwanghaft von Arzt zu Arzt und von Testung zu Testung, ohne daß