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Ein Buch in Händen zu halten, in dem nach latenten emanzipatorischen Ansätzen mit politischer Bedeutung im Werk C.G. Jungs gesucht wird, rief bei mir zunächst Erstaunen hervor. Haben wir Psychoanalytiker uns schon so sehr auf eine undifferenzierte Sicht des Jungschen Werkes festgelegt, daß wir uns schon über das Vorliegen eines solchen Buches wundern? Genügt uns für die (negative) Beurteilung von C.G. Jungs Werk schon die Kenntnis von dessen Verstrickung in nationalsozialistisches Ideengut?
Tilman Evers »setzt sich bewußt zwischen die Stühle hergebrachten Denkens, indem er die unkritische Jung-Idolatrie auf seiten gläubiger Jungianer ebenso in Frage stellt wie dessen pauschale Tabuisierung in kritisch denkenden Kreisen« (S. 10). Und er fügt hinzu: »Daß man bei solchen Grenzgängen oft auch Beifall von der falschen Seite bekommt, darf einen bekanntlich nicht abhalten« (S. 10). Grenzgänge jeder Art haben mich schon immer fasziniert, und so versuchte ich, Tilman Evers' Balanceakt zwischen kritischer Theorie und Jungscher Tiefenpsychologie interessiert und kritisch zu folgen.
Evers' Hauptanliegen ist die Verbindung von Persönlichem und Politischem, von (Tiefen-)Psychologie und Politik, das er in der umfangreichen Literatur der Friedens-, Frauen- und Ökologiebewegung und deren Bezug auf C.G. Jungs Schriften wiedererkennt. Es kommt natürlich wirklich darauf an, wie man C.G. Jung liest (so Evers), aber auch wie man Evers liest, ob man jeweils auch das emanzipatorische Interesse oder nur einen Rückzug ins Private, eine exklusive Überhöhung der archetypischen Innenwelt sieht. Ähnlich ist das bei den sogenannten neuen sozialen Bewegungen; auch sie enthalten beides, den Rückzug in die Innerlichkeit und den emanzipatorischen Ansatz der Verbindung von persönlichen Gefühlen und politischem Engagement, einen Ansatz, der allzulange von der offiziellen Soziologie und Politikwissenschaft, aber auch in den meisten ökonomischen und machtpolitischen Denkansätzen vernachlässigt wurde. In di