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Die Geschichte der Psychoanalyse zeigt, daß es in allen Ländern und zu allen Zeiten Pioniere gegeben hat, die sich trotz einer nur kurzen Lehranalyse hohes internationales Ansehen erworben haben. Es ist kein Geheimnis, daß später prominente Psychoanalytiker der ersten deutschen Nachkriegsgeneration, die als Lehranalytiker auch hohe Ämter in der IPV übernahmen, nur auf eine kurze persönliche Analyse zurückblicken können. Besonders aufschlußreich ist es, daß einige Kollegen aus meiner Generation ihre kurze Eigenanalyse bei Psychotherapeuten machten, die nicht zur anerkannten Genealogie gehörten. Daß der Stammbaum und die legitime, irgendwie auf Freud zurückführbare Herkunft mehr zählt als die eigene Leistung, ist eine Besonderheit der institutionalisierten Psychoanalyse. So gesehen ist es verständlich, daß viele Analytiker den Namen ihres Lehranalytikers mit Zurückhaltung nennen, obwohl die pure Tatsache, daß X beim Lehranalytiker Y in den Jahren 19. eine Analyse von ca. Z Sitzungen machte, nicht unter die Schweigepflicht fällt. Es ist verständlich, daß nicht nur heute prominente Kollegen meiner Generation es vorziehen, die Kürze ihrer Lehranalyse und den Namen ihres Analytikers in der fachlichen Öffentlichkeit nicht preiszugeben. Schließlich möchte man nach den eigenen beruflichen Leistungen bewertet werden, ohne daß der Name des Lehranalytikers und die Dauer der Analyse eine Rolle spielen.
Mir wurde das Gewicht des Stammbaums klar, als ich Funktionen in Kommissionen der IPV übernahm: Bei Prüfungen der Qualifikation von Bewerbern aus Ländern, in denen es noch keine anerkannte Gruppe gab, spielte die Position des Lehranalytikers im Stammbaum eine größere Rolle als die Qualifikation. Der Werdegang vieler Analytiker ist bezüglich der Zugehörigkeit zur DPV oder zur DPG oft von Zufällen abhängig, wobei definitiv Weichen gestellt werden. Ich selbst geriet durch Zufall in die richtige Genealogie: Der Stuttgarter Psychoanalytiker Dr. F.